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"In hektischen Phasen die Ruhe zu bewahren, ist im Rennsport genauso wichtig wie im Polizeiberuf."

Auf der Überholspur: Andreas Kofler (21), Polizeischüler und professioneller Motorrad-Rennfahrer, startet im nächsten Jahr in der Superbike-Weltmeisterschaft.

Andreas Kofler ist erst 21 Jahre alt – und hat dennoch gleich zwei außergewöhnliche Karrieren eingeschlagen. Der junge Oberösterreicher absolviert derzeit die Polizeischule im Bildungszentrum Wels und steht kurz davor, seinen Traumjob als Polizist zu beginnen. Gleichzeitig zählt er zu den erfolgreichsten Nachwuchsrennfahrern Europas: Zweimal hintereinander wurde er Deutscher Meister, und im kommenden Jahr startet er erstmals in der prestigeträchtigen Superbike-Weltmeisterschaft. Kürzlich sammelte Andreas im Rahmen seines ersten Polizei-Praktikums auf der Polizeiinspektion Altmünster wertvolle Erfahrungen im Berufsalltag. Im Interview mit dem Polizei Sport Magazin spricht er über den Spagat zwischen Blaulicht und Rennstrecke, über Disziplin, Adrenalin und Zukunftspläne. 
Andreas, du hast gerade dein erstes Polizei-Praktikum in Altmünster absolviert – wie hast du die Arbeit im Streifendienst erlebt?
Die Arbeit ist echt faszinierend, denn man bekommt einen Blick dafür, was alles hinter dem Berufsbild des Polizisten steckt, wie viel man Tag für Tag erlebt und wie abwechslungsreich sich die Dienste gestalten.
Was hat dich dazu bewegt, neben deiner erfolgreichen Motorsportkarriere auch den Beruf des Polizisten zu ergreifen?
Eigentlich habe ich als Kind schon immer davon geträumt, ein Polizist zu werden, weshalb ich auch keinen Moment gezögert habe, mich nach meiner Matura und der Absolvierung meines Präsenzdienstes mich dafür zu melden. Ich fahre seit meiner jüngsten Kindheit Motorradrennen, von dem her war ich es immer auch gewohnt, es mit meiner schulischen Karriere und später eben der beruflichen Karriere zu verbinden.
Andreas Kofler
Seine beiden großen Leidenschaften: Polizist und Motorradrennfahrer. – © Michael Dietrich
Deine beiden Welten – Polizei und Motorradrennsport – wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Gibt es Gemeinsamkeiten?
Vor allem ein Rennen selbst ist sehr ähnlich mit einem Diensteinsatz. Denn du musst jede Sekunde abwägen, was rund um dich passiert, alles am Schirm haben und im Hinterkopf immer auch durchrechnen, was gleich passieren könnte. Mit hohem Puls heißt es cool zu bleiben. Außerdem benötigt der Motorsport viel Disziplin, du darfst nie lockerlassen, darfst aber auch nie übertreiben. Und dann ist der Motorsport auch ein Teamsport, denn greift nicht jedes einzelne Glied ins andere, ist ein Erfolg überhaupt nicht möglich.
Wie schaffst du es, die intensive Ausbildung in der Polizeischule und das professionelle Renntraining zeitlich unter einen Hut zu bringen?
Es ist definitiv nicht leicht, weil ich beides dementsprechend auch mit Perfektion machen will. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und gelingt mir auch nur dank meinem Ehrgeiz etwas erreichen zu wollen, den Willen beides zu machen und auch die Motivation mich immer weiter zu steigern. Nach dem Dienstschluss stehen dann meine Trainings am Programm, vor allem in der rennfreien Zeit arbeite ich stark an meiner körperlichen Fitness.
Andreas Kofler
Geschafft! Nach einem dritten Platz am Hockenheimring feierte der Attnanger mit seinem Team die erfolgreiche Titelverteidigung. – © Dino_Eisele/IDM
Du wurdest bereits zweimal Meister in der Internationalen Deutschen Motorrad-Straßenmeisterschaft – was war für dich der wichtigste Moment auf dem Weg zu diesen Erfolgen?
Wenn es ein Moment war, dann eben sicher jener, wo ich mich mit meinem Vater und meinem Bruder gemeinsam entschlossen habe, ein eigenes Team aufzubauen. Das war auch der wichtigste Schritt, um den ersten Titel zu gewinnen und diesen auch erfolgreich zu verteidigen. Das Team, welches wir geformt haben, steht voll hinter mir und auch sie haben alles dafür gegeben, damit wir diese Erfolge einfahren konnten. 
Generell muss ich mich meinen Eltern einen Riesendank aussprechen. Ohne ihre große Unterstützung von klein auf wäre das alles nicht möglich gewesen.
2026 startest du in der Superbike-Weltmeisterschaft in der Klasse Supersport. Wie bereitest du dich mental und körperlich auf diesen nächsten großen Schritt vor und welche Erwartungen hast du? 
Aktuell verbringe ich jede freie Sekunde neben meinem Praktikum im Außendienst im Kraftraum und arbeite an meinen körperlichen Fähigkeiten. Ansonsten stehe ich viel in unserer Werkstatt, um das Motorrad vorzubereiten. Mental freue ich mich einfach nur auf den Moment, wenn es dann endlich losgeht. Der Aufstieg in die Weltmeisterschaft bedeutet für mich den nächsten großen sportlichen Schritt. Vieles wird wieder völlig neu sein, deshalb heißt es, sich zuerst in der Serie mit guten Ergebnissen überhaupt zu etablieren. Ich hoffe, wir können uns schnell und gut anpassen, dass wir im Laufe der Saison auch um Topplatzierungen mitfahren können.
Gibt es Parallelen zwischen dem Teamgeist in der Polizei und der Zusammenarbeit in einem Rennteam?
Allein kannst du in beiden Bereichen nur wenig erreichen. Arbeitest du im Team gut zusammen, dann stellt sich auch der dementsprechende Erfolg ein. Wichtig ist vor allem, dass du dich auf deine Mitstreiter bzw. Kollegen voll verlassen kannst und sie dir auch voll vertrauen.
Andreas Kofler
Auf der Ideallinie zum zweifachen IDM-Meistertitel. – © Dino_Eisele/IDM
Viele junge Menschen träumen von einer Profisportkarriere – was würdest du ihnen raten, wenn sie gleichzeitig eine solide berufliche Laufbahn anstreben?
Sich im Sport soweit zu etablieren, dass man diesen professionell betreiben kann, ist ein ständiger Kampf und du weißt von Saison zu Saison nie, wie es wirklich weitergeht. Natürlich hat man einen Karriereplan, aber diesen musst du immer wieder adaptieren und anpassen. Von dem her ist es einfach gut, dass man sich ein sicheres berufliches Standbein schafft. Wichtig ist immer, dass man es gerne macht, weil es viel Energie benötigt den Sport zu betreiben. Ohne Freude am Polizeidienst hätte ich diese nicht, um mich am Abend noch mehrere Stunden in die Werkstatt oder in den Fitnessraum zu stellen.
Wie reagieren deine Kolleginnen und Kollegen, wenn sie erfahren, dass du nebenbei professionell Motorrad fährst?
Meine Kollegen aus dem Kurs 64-24 sowie zuletzt auf der Polizeiinspektion in Altmünster sind sehr interessiert an dem Sport und finden es spannend. Darüber bin ich froh, weil ich auch mit meinen Renneinsätzen ihre Unterstützung brauche - für freie Tage für meine Reisetage - und dafür bin ich ihnen auch sehr dankbar.
Welche Werte aus der Polizeiausbildung helfen dir auf der Rennstrecke – und welche Erfahrungen aus dem Motorsport kannst du in den Polizeidienst einbringen?
Was ich aus meiner Ausbildung und der Erfahrung im Außendienst für den Motorsport definitiv übernehme, ist es, in gewissen Situationen ruhig und immer sachlich zu bleiben. In hektischen Phasen die Ruhe zu bewahren, ist für den Rennsport genauso wichtig wie im Polizeiberuf.
Aus dem Rennsport hingegen nehme ich die Erfahrung aus dem Teamgefüge mit. Ich arbeite gerne mit anderen zusammen, aber um wirklich etwas Großes zu erreichen, benötigt es vollsten Einsatz von jedem. Niemand darf sich für etwas zu schade sein und jeder Handgriff muss sitzen. Und Aufgeben oder es gar nicht zu versuchen, ist im Motorsport keine Option.
Andreas Kofler
Akrobatisch: Andreas Kofler mit einem "Wheelie" – © Dino_Eisele/IDM
Wenn du in die Zukunft blickst: Siehst du dich eher dauerhaft auf der Rennstrecke, im Polizeidienst – oder gelingt dir beides langfristig?
Ich übe den Motorradsport nun seit meinen jüngsten Kindheitstagen aus, er gehört zu meinem Leben und ist aus diesem nicht wegzudenken. Dennoch ist es logisch, dass ich nicht bis ins hohe Alter auf der Rennstrecke zu finden bin. Da ist der Beruf als Polizist sicherlich langfristiger zu sehen. Aktuell habe ich aber eine Riesenfreude an beidem und würde dies auch gerne mit einem Platz im Spitzensportkader der Polizei verbinden.
Lieber Andreas, herzlichen Dank für das nette Gespräch. Das Polizei Sport Magazin-Redaktionsteam wünscht dir für deine weitere Ausbildung, die bevorstehende Superbike-Saison und deine Zukunft in Uniform alles Gute!
Andreas Kofler
Andreas Kofler im Gespräch mit Polizei Sport Magazin-Redakteur Fritz Stadlmayr. – © Michael Dietrich
STECKBRIEF:
Vorname: Andreas
Nachname: Kofler
Geburtsdatum: 12. August 2004
Geburtsort: Vöcklabruck 
Wohnort: Attnang-Puchheim
Größe: 180 cm
Sternzeichen: Löwe
Spitzname: Andi
Familienstand: ledig
Rennteam: Motorsport KOFLER
Sportliches Vorbild: Niki Lauda
Karriere:
2008 bis 2016 Supermoto in internationalen Meisterschaften
2017 ADAC Junior Cup
2018 bis 2019 European Talent Cup Moto3 in Spanien
2020 SuperStock 600 in Spanien
2021 bis 2025 IDM Supersport
ab 2026 Superbike-WM (Klasse Supersport)
Sportliche Erfolge:
2023 3. Platz IDM Supersport
2023 zwei WM-Rennen in Tschechien und Frankreich mit Platzierungen in den Top 15
2024 Meister IDM Supersport und Motorsportler des Jahres
2025 Meister IDM Supersport
Fritz

Fritz Stadlmayr

Redakteurredaktion@oepolsv.at