Schießen PPS

1. Trainingskurs der PPS-Schützen im Jahr 2022

BMI Leistungskader Schießen PPS – Juni 2022; von oben links: Johann Lang, Simon Heiligenbrunner, Trainer Manfred Winkler, Reinhard Handl, Jürgen Stranz, Gerald Reiter, Fachreferent Paul Pirchner; unten von links: Margit Steurer, Andreas Orio, Klaus Gasteiger und Elisabeth Strasser

Vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 absolvierte der BMI-Leistungskader der Großkaliberschützen den 1. Trainingskurs im Jahr 2022. Die neun Leistungssportlerinnen und Leistungssportler, der Trainer und der Fachreferent als Kursleiter rückten mit „breiter Brust“ in den Schießpark Salzkammergut-Viecht des oberösterreichischen Landesjagdverbandes in Desselbrunn, Bezirk Vöcklabruck, ein. Der Herbst 2021 hatte mit sieben Staatsmeistertiteln im IPSC-Schießsport für den Kader geendet und im heurigen Jahr sind einige bereits mit tollen Erfolgen bei Level III-Matches in Österreich und in den Nachbarländern gestartet.

Reinhard Handl und Simon Heiligenbrunner – zwei erfolgreiche Kaderschützen

Am Montag Nachmittag stand dann vorerst der Aufbau der einzelnen Stationen in den diversen Buchten des Schießparks auf der Tagesordnung. Damit das Einsammeln der Hülsen auf dem Wiesen- bzw. Schotteruntergrund leichter vonstatten geht, muss der Boden vorerst mit großen Planen ausgelegt werden und dann gilt es noch, entsprechende Targets bzw. Sequenzen von Schießparcours aufzustellen.

Simon Heiligenbrunner beim Aufbau einer Pendelscheibe

Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, gleich am ersten Tag noch mit dem „scharfen Schuss“ zu beginnen.

Johann Lang, Jürgen Stranz und Gerald Reiter beim Einschießen

In den folgenden Tagen wurde die gesamte Palette des IPSC-Schießsportes – auch als PPS oder dynamisches Schießen bezeichnet – trainiert. Dazu gehört das Erstschusstraining

Lisi Strasser beim Erstschusstraining

genauso wie der Wechsel zwischen nahen und weiten Zielen, zwischen ganzen, halb verdeckten oder fast verdeckten Zielen, aber auch auf bewegliche Ziele, sogenannten Pendelscheiben, die wie ein Pendel der Uhr ausschlagen und nur teilweise sichtbar sind oder sogenannten Up-and-down-Scheiben, die immer wieder hinter einer Deckung verschwinden, dazwischen aber kurz sichtbar sind.

Auch Stahlplatten und Stahlgongs in unterschiedlicher Größe sind bei so einem Training nicht wegzudenken. Zum Training gehört natürlich auch das Schießen aus unterschiedlichen Schießpositionen bzw. Starts mit verschiedenen Ladezuständen der Waffe.

Andi Oriol in extremer Position

Geschossen werden kann eben aus einer stehenden, liegenden oder

Andi Oriol – Aus Sicht des Schützen

knieenden Position, mit der schussstarken oder schussschwachen

Klaus Gasteiger und Reinhard Handl – Weak Hand Only

Hand – einhändig – mit geladener, halbgeladener oder ungeladener Waffe oder im Vorwärts-, Rückwärts- oder Seitwärtslaufen. Hier sind den Abläufen keine Grenzen gesetzt, soweit die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.

Klaus Gasteiger – Knieend am Boden

Klaus Gasteiger – elegant und dynamisch

Gerald Reiter – Training mit dem Revolver

Blick in die Revolvermündung bei Gerald Reiter

Manfred Winkler – 50 Meter aus sitzender Position

Natürlich durfte auch das Präzisionsschießen nicht fehlen; der Fachreferent und der Trainer lieferten sich so manches Match im Bewerb 30/30 Faustfeuerwaffe Großkaliber.

Fachreferent Paul Pirchner – Training Faustfeuerwaffe Großkaliber 30/30

Die Teilnehmer absolvieren die Trainings vorwiegend in Kleingruppen, testen verschiedene Abläufe oder Sequenzen, analysieren und diskutieren dann die Ergebnisse.

Im Hintergrund muss immer das Motto des IPSC-Schießsportes, nämlich „DVC“ (lat. Diligentia, Vis, Celeritas – übersetzt Präzision, Kraft, Schnelligkeit) beachtet werden, das heißt: nur mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Präzision und Schnelligkeit können hervorragende Wertungen erzielt werden.

So verging die Woche wie im Flug. Das Wetter hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt und uns tagsüber mit Sonnenschein verwöhnt und dann abends mit Gewitterregen für Abkühlung gesorgt.

Gerald Reiter schießt auf die Ehrenscheibe

Fachreferent Paul Pirchner überreicht dem ehemaligen Trainer Florian Kendlbacher die Ehrenscheibe

Am Mittwoch, dem 1. Juni 2022, haben wir unseren Trainer Florian Kendlbacher offiziell verabschiedet. Florian stand seit 2009 dem Kader immer mit vollstem Einsatz als Trainer zur Verfügung und ging mit 1. November 2021 in den verdienten Ruhestand. Als kleine Erinnerung haben wir ihm eine Ehrenscheibe überreicht, die wir natürlich noch vorher „beschossen“ haben. Den Abend ließen wir mit Florian dann in unserem Quartier, dem Gasthof und Hotel Enichlmayr in Ohlsdorf gemütlich ausklingen. Ich möchte mich auch auf diesem Weg bei unserem langjährigen Trainer Florian Kendlbacher für seinen vorbildlichen, stets 120-prozentigem Einsatz, noch einmal recht herzlich bedanken.

Mit großer Freude präsentiert Florian Kendlbacher die Ehrenscheibe – ein Geschenk des Kaders für die großen Verdienste als Trainer

Einige von uns ließen es sich auch nicht nehmen, nach dem Training am Schießplatz noch eine kleine Runde mit dem Rad in Richtung Traunsee zu fahren, damit das Abendessen und das eine oder andere Getränk so richtig schmeckt.

Margit Steurer bei der Waffenpflege

Am Freitag ging es dann wieder heimwärts; eine schöne, aber auch intensive Trainingswoche, lag hinter uns.  Als Fachwart möchte ich mich bei den Verantwortlichen des Schießparks für die immer freundliche, äußerst zuvorkommende Art und Weise wie sie uns „beherbergen“, beim Unterkunftsgeber, aber auch bei den Sportlerinnen und Sportlern für ihre Disziplin und ihr Engagement recht herzlich bedanken. Ich bin mir sicher, die Kaderschützen werden auch heuer wieder die Latte im IPSC-Sport in Österreich vorgeben und für die gesamte Polizei herausragende Erfolge  im In- und Ausland „einfahren“.

 

Paul Pirchner

Fotos: Paul Pirchner

Großkaliberschützen dominieren Österreichische IPSC-Staatsmeisterschaften

Bei den österreichischen Meisterschaften in der IPSC (dynamisches praktisches Pistolenschießen) in Wien und Vöcklabruck im Oktober 2021 waren die Kaderschützen des BMI wieder einmal äußerst erfolgreich und zeigten, dass sie die Latte im Schießsport in Österreich vorgeben.

BMI-Leistungskader Schießen Großkaliber PPS mit Fachreferent im Oktober 2021
Von links: Stehend Fachreferent Paul Pirchner, Jürgen Stranz, Gerald Reiter, Trainer Manfred Winkler, Reinhard Handl, Elisabeth Strasser, Margit Steurer, knieend: Johann Lang, Klaus Gasteiger, Simon Heiligenbrunner und Andreas Oriol
Foto: Paul Pirchner

In der heiß umkämpften Division Production bei insgesamt 107 Startern setzte sich der Polizei-Bundesmeister Simon Heiligenbrunner vor seinem Cobrakollegen Reinhard Handl knapp durch. Andreas Oriol komplettierte das Podest. Somit gingen alle Medaillen an die Kaderschützen. Reinhard Handl, der eigentlich schon in der Seniorenklasse startet, hat natürlich als Zweiter in der Gesamtwertung auch den Seniorentitel gewonnen.

Die beiden Erstplatzierten bei den Damen gingen ebenso an Polizei-Kaderschützinnen; Lisi Strasser stand ganz oben und konnte Christa Hochholdinger in die Schranken weisen.

Bei den Revolver-Schützen war der Vizeweltmeister und mehrfache Europameister Gerald Reiter natürlich nicht zu schlagen. Bei den Senioren gab es Platz 1 und 2 durch Gerald Reiter und Johann Lang.

In der Division Open setzte Gerald Reiter noch eins drauf und wurde auch in dieser Division Staatsmeister. Gerald ist es somit gelungen, Staatsmeistertitel in allen Divisions – Revolver, Production, Standard, Classic, Production Optics, Open – im Laufe der letzten Jahre zu erreichen. Ein einmaliger Erfolg – vergleichbar mit einem Schi-Alpinfahrer, der vom Slalom, Riesentorlauf, Super-G bis zur Abfahrt alles gewinnt.

Margit Steurer wurde in der Open-Division bei den Damen Staatsmeisterin.

In der Division Standard konnte sich im Overall Reinhard Handl durchsetzen und wurde vor Jürgen Stranz Österreichischer Meister. Reinhard Handl, der schon über 50 Jahre alt und somit in der Seniorenklasse ist, war heuer in bestechender Form. In der allgemeinen Klasse siegte Jürgen Stranz und Simon Heiligenbrunner wurde Dritter.

Auch die Damenwertung in der Division Standard wurde von den Kaderschützinnen dominiert. Christa Hochholdinger hatte diesmal die Nase vorne und konnte Lisi Strasser in Schach halten.

Neben den Erfolgen im Einzel gab es dann noch eine Vielzahl von Mannschaftsmedaillen, bei denen die Kaderschützinnen und -schützen ganz wesentlich an den Erfolgen ihrer Mannschaften beteiligt waren. Eine Aufzählung der Mannschaftsmedaillen würde den Rahmen sprengen.

Insgesamt konnten wir somit sieben Österreichische Staatsmeistertitel erringen:

  • Gerald Reiter in den Divisionen Revolver und Open
  • Lisi Strasser in der Division Production
  • Margit Steurer in der Division Open
  • Christa Hochholdinger in der Division Standard
  • Reinhard Handl in der Division Standard
  • Simon Heiligenbrunner in der Division Production

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Kaderschützinnen und -schützen die Österreichischen Meisterschaften wie selten zuvor dominiert haben. Alle konnten sich durchwegs vorne platzieren und als Fachreferent kann man nur Stolz auf die Truppe sein. Gratuliere Euch für die ausgezeichneten Erfolge!

Der Fachreferent

Paul Pirchner

Erfolge bei der Österreichischen Meisterschaft Faustfeuerwaffe Großkaliber

Vom 16.-19.9.2021 fand am Landeshauptschießstand Salzburg die Österreichische Meisterschaft Faustfeuerwaffe-Großkaliber statt.

Schießstand Foto Paul Pirchner

Bei 298 Starts in den beiden Disziplinen 30/30 und 20/20 stellten sich 168 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wettkämpfen. Die meisten Schützinnen und Schützen absolvierten beide Disziplinen.

Schnellfeuerscheibe – Durchmesser 10er Ring 10 cm Foto Paul Pirchner

Bei der Disziplin 30/30 – die sogenannte große Scheibe – werden 6 Serien a 5 Schuss in jeweils 150 Sekunden und 6 Serien a 5 Schuss in jeweils 20 Sekunden auf die Schnellfeuerscheibe geschossen (Durchmesser des 10er Ringes 10 cm, Durchmesser des 9er Ringes 18 cm).

Präzisionsscheibe – Durchmesser 10er Ring 5 cm Foto Paul Pirchner

Bei der Disziplin 20/20 – die sogenannte kleine Scheibe – werden 4 Serien a 5 Schuss in jeweils 150 Sekunden auf die Präzisionsscheibe  und 4 Serien a 5 Schuss auf die Schnellfeuerscheibe geschossen. Bei der Präzisionsscheibe beträgt der Durchmesser des 10er Ringes nur 5 cm, des 9er Ringes 10 cm und des 8er Rings 15 cm.

Präzisons- und Schnellfeuerscheibe im Vergleich Foto Paul Pirchner

Vor der jeweils 1. Wertungsserie gibt es sowohl bei der 150-Sekunden als auch bei der 20-Sekunden Serie eine Probeserie, damit die Schützen sich an die Umstände gewöhnen können. Die Entfernung beträgt bei beiden Disziplinen 25 Meter. Startposition ist mit geladener Waffe, 45 Grad nach unten geneigt und stehend frei. Nach Sichtbarwerden der Wendescheiben heißt es „Feuer frei!“ und die Zeit läuft.

Der Fachreferent des ÖPolSV für das Schießen Großkaliber/Praktisches Pistolenschießen, Paul Pirchner und der Trainer des BMI-Leistungskaders für Schießen Großkaliber/PPS, Manfred Winkler,

Manfred Winkler bei der BPM 2021 Foto Paul Pirchner

nahmen beide erfolgreich an den Österreichischen Meisterschaften teil und konnten sowohl im Einzel als auch in der Mannschaft Medaillen erzielen. Beide waren mit einer CZ-75 Sport II angetreten.

Im Bewerb auf die „große Scheibe – 30/30“ wurde Manfred Winkler in der Klasse „Senioren 1“ mit 586 Ringen Siebter. Leider hat Manfred bei der 1. Wettkampfserie gleich 4 Ringe liegen gelassen. Vielleicht machte ihn die Tatsache, dass der Fachreferent als Kampfrichter tätig war, nervös … Im Bewerb auf die „kleine Scheibe 20/20“ lief es dann besser und Manfred Winkler wurde mit 385 Ringen ausgezeichneter 2. in der Klasse Senioren 1. Mit der Mannschaft Oberösterreich gewann Manfred bei den Senioren 1 auch noch Mannschaftsgold.

Manfred Winkler bei der Polizei WM Foto Thomas Kirchmaier

Paul Pirchner startete nervös in den Bewerb „große Scheibe – 30/30“, ließ bei der 150-Sekunden Serie 4 Ringe liegen, erzielte 296 Ringe und hat dann bei der 20-Sekunden Serie einen Durchgang unsauber geschossen und mit einem 8er und 2 x 9 einen Podestplatz vergeben. Letztlich wurden es 588 Ringe und der undankbare 4. Platz bei den Senioren 2 (ab 60 Jahre).

Unmittelbar anschließend und mit „Wut“ im Bauch über die vergebene Chance im Bewerb „30/30“, aber der nötigen Gelassenheit und Ruhe, ging es dann beim Bewerb auf die „kleine Scheibe 20/20“ umso besser. Die Präzisionsscheibe mit 193 von 200 möglichen Ringen zu beenden, kann sich jedenfalls sehen lassen. Wenngleich die Schnellfeuerserien auf die große Scheibe nicht optimal verliefen, kamen letztlich 387 Ringe zusammen, was den 1. Platz mit 4 Ringen Vorsprung bei den Senioren 2 bedeutete.

Siegerehrung ÖM FFWGK 2021 – Sieger Paul Pirchner Foto Susanne Paar

Zusätzlich zur Einzelmedaille kamen dann auch noch 3 Mannschaftsmedaillen – 2 in Gold und 1 in Silber – als Mitglied der beiden Superteams der Großkaliberschützen Salzburg dazu.

Paul Pirchner – Siegerehrung ÖM FFWGK 2021 Foto Paul Pirchner

Jedenfalls haben der Trainer und Fachwart des BMI-Leistungskaders Schießen Großkaliber – PPS die Polizei mehr als würdig vertreten und gezeigt, dass die Polizisten nicht nur im IPSC, sondern auch in der Präzision, herausragend schießen können.

Natürlich wurde zwischen Trainer und Fachreferent vor dem Bewerb vereinbart, dass der Unterlegene dem Gewinner ein Getränk –1 Bier – spendiert und so freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Trainingskurs der Leistungsschützen des BMI, denn Manfred ist mir 2 Bier schuldig …

Der Fachreferent Schießen Großkaliber-PPS

Paul Pirchner

11. Bundespolizeimeisterschaften 2021 in Wien – Schießbewerbe

Als ich am Abend des 12. September 2021 die Schießstätte des HSV Stammersdorf aufsuchte, waren die Mannen um Mirko Durinovic und Gerald Reiter

noch fleißig am Aufbauen der acht Stages für den PPS-Bewerb. Gleich beim ersten Blick fiel mir auf, dass einige bewegliche Ziele eingebaut wurden und auch mit Stahlzielen nicht gegeizt wurde.

PPS – Stage 1 – 3 im Überblick Foto: Paul Pirchner

Das weitläufige Areal liegt sanft eingebettet in die Hügellandschaft und wenn man nicht wüsste, dass es noch Stadtgebiet von Wien ist, würde man glauben, man ist irgendwo in einem Dorf im Weinviertel.

Am Morgen des 13. September 2021 war ich dann pünktlich um 8 Uhr am Schießplatz gestellt und schön langsam füllte sich der Vorplatz mit Funktionären und Helfern. Nach einer letzten Einweisung der jeweiligen Bewerbsverantwortlichen für die Bewerbe Glock-Faustfeuerwaffe Großkaliber 30/30 (FFWGK), AUG A3 – 3-Stellungs-Match und Praktisches-Pistolen-Schießen (PPS) durch den Gesamtleiter für die Schießbewerbe Markus Egerer der LPD Wien wurden die Helfer – WEGA-Bedienstete, Einsatztrainer und Aspiranten des BZS sowie einige erprobte Kampfrichter aus Schießvereinen – auf die einzelnen Stationen aufgeteilt, wo dann der jeweilige Verantwortliche die letzten Instruktionen erteilte. Nach den bei so einer Großveranstaltung üblichen kleineren, nicht erwähnenswerten Anlaufschwierigkeiten, konnte im Laufe des Vormittags mit dem scharfen Schuss begonnen werden. Der erste Tag, vor allem der Vormittag, war den Funktionären und Helfern vorbehalten. Vor dem großen „Run“, wurden die Abläufe auf „Herz und Nieren“ getestet, man könnte es auch als sogenanntes „PreMatch“ bezeichnen.

In den nächsten zweieinhalb Tagen wurden die drei Bewerbe dann im großzügigen Areal des HSV Stammersdorf bei herrlichem, ja fast hochsommerlichem Wetter, reibungslos absolviert. Bei allen drei Bewerben durfte ich mir hautnahe Eindrücke über die Abläufe machen, wobei ich die Bewerbe FFWGK-Glock und PPS sogar selbst absolvierte und im Bewerb FFWGK als Kampfrichter die Helfer zwischendurch auch immer wieder unterstützte.

Nachfolgend darf ich über die einzelnen Bewerbe berichten:

Im Bewerb Glock-Präzision standen uns drei baulich getrennte Boxen a fünf Stände zur Verfügung.

FFWGK – 150 Sekunden-Serie Foto: Paul Pirchner

Einerseits konnte der Bewerb durch die voneinander baulich getrennten Boxen zwar flexibler in kleinen Gruppen durchgeführt werden, andererseits war dadurch aber mehr Funktionspersonal erforderlich, da in jeder Box ein Kampfrichter mit zwei Helfern benötigt wurde. Die Stände waren ohne Wendescheiben ausgestattet und so musste mit Speedtimer gearbeitet werden, was für viele erfahrene Schützen doch eine Umstellung war. Die Bedingungen waren für alle Teilnehmer fair und annähernd gleich, die Stände unter Dach und geschützt vor Sonnenlicht oder Regen.

Gerald Hartl beim FFWGK-Glock-Bewerb Foto: Paul Pirchner

Bundesmeister Harald Furthner beim Glock-Bewerb Foto: Paul Pirchner

83 Starterinnen und Starter stellten sich dem Bewerb. Beide Bundesmeistertitel gingen an den LPSV Oberösterreich, bei den Damen mit Ivana Kovacevic mit 575 und bei den Herren mit Harald Furthner mit 584 Ringen.

Die 3-fache Bundesmeisterin Ivana Kovacevic und der 2-fache Bundesmeister Harald Furthner (beide OÖ) flankiert von Pirchner und Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Ivana konnte sich in der Damenklasse vor den beiden LPSV NÖ-Damen Tamara Bollwein und Liane Höss durchsetzen.

Siegerinnen FFWGK Damen: Pirchner, Tamara Bollwein (2.), Bundesmeisterin Ivana Kovacevic, Liane Höß (3.), Markus Egerer

In der allgemeinen Klasse der Herren bewies der Top-IPSC-Schütze Simon Heiligenbrunner vom SV Cobra,

FFWGK-Glock: Sieger in der Allgemeinen Herrenklasse Simon Heiligenbrunner (SV Cobra) flankiert von Paul Pirchner und Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

dass er auch ein ausgezeichneter Präzisionsschütze ist und ließ mit 582 Ringen Bernhard Steyrer des LPSV NÖ mit 572 und Rene Erler des PSV Tirol mit 571 Ringen deutlich hinter sich.

Bundesmeister Harald Furthner dominierte die Senioren 1-Klasse mit 584 Ringen. Am 2. und 3. Platz bei den Senioren platzierten sich mit dem IPSC-Vizeweltmeister Reinhard Handl des SV Cobra mit 576 und Manfred Winkler des LPSV OÖ mit 575 zwei Top-Schützen aus der IPSC-Riege.

Siegerehrung FFWGK Senioren 1: Von link: Pirchner, Bundesmeister Harald Furthner (OÖ), Reinhard Handl (2.), Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

In der Klasse Senioren 2 (60+) hat Karl Knaus des LPSV Steiermark mit 578 Ringen wiederum überragend geschossen und ist in der Overallwertung sogar Dritter geworden; Alfred Mayer und Horst Kerschbaumer des LPSV OÖ rundeten das Podest in der Klasse Senioren 2 ab.

Siegerehrung Herren FFWGK-Senioren 2 mit von links Paul Pirchner, Alfred Mayer, Sieger Karl Knaus, Horst Kerschbaumer, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Die Mannschaftswertung sicherte sich Oberösterreich 1 vor dem Cobra-Team.

Der Bewerb Langwaffe – 3-Stellungs-Match wurde erstmals mit dem neuen Steyr AUG A3 geschossen, was im Vorfeld doch zu einigen Diskussionen führte. Einerseits sind die Trainingsmöglichkeiten mit dieser militärischen Waffe mit dem Kaliber .223 Remington (5.56 mm) nur sehr eingeschränkt – nur auf Schießstätten des Österreichischen Bundesheeres – möglich und andererseits verfügt diese Waffe über eine sogenannte Rotpunkt -Zieleinrichtung, was einen großen Unterschied zur jahrelang verwendeten MP 88 ausmacht. Außerdem wurde auf 100 Meter geschossen. Die große Entfernung, das grelle Sonnenlicht und die Staubauslösung im Bereich des Zielgeländes durch die Projektile machten die Zielerfassung und die Dosierung des Rotpunktes nicht immer einfach.

Jürgen Schlechter – Bewerb AUG A3 stehend Foto: Paul Pirchner

AUG A3 BMI – liegend Foto: Paul Pirchner

Jürgen Schlechter – Bewerb AUG A3 knieend Foto: Paul Pirchner

Der erfahrene internationale Kampfrichter und Polizist Markus Heim unterstützte das Team der LPD Wien und so konnte auch dieser Bewerb mit insgesamt 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestens über die Bühne gebracht werden.

Bei den Damen konnte sich die Bundesmeisterin im Glock-Schießen, Ivana Kovacevic auch im AUG A3 – 3-Stellungsmatch durchsetzen und ihre Vereinskollegin Marlene Altenhofer sowie Bettina Arlt aus NÖ in die Schranken weisen.

Siegerehrung Kombi-Bewerb FFWGK-AUG A 3, von links Pirchner, Sandra Loidl, die Siegerin und 3-fache Bundesmeisterin Ivana Kovacevic, Bettina Arlt, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Bundesmeister bei den Herren im 3-Stellungs-Match wurde Gerald Hartl mit 563 Ringen vor dem ringgleichen Rene Wankmüller und Michael Eigner, beide LPSV Steiermark.

Siegerehrung AUG Herren Allgemein Von links: Pirchner, Rene Wankmüller, Bundesmeister Gerald Hartl, Michael Eigner, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Die Senioren 1-Klasse ging an Franz Gruber vor Franz Mayr, beide LPSV OÖ, und Stefan Mlekusch des LPSV Kärnten. Auch die Klasse 60+ ging an den LPSV OÖ mit dem Urgestein Franz Mairinger, gefolgt von Karl Knaus und Alfred Reitbauer, beide LPSV Stmk. Oberösterreich 1 vor Steiermark 1 und Kärnten lautete das Mannschaftsergebnis.

 

50 Sportlerinnen und Sportler absolvierten sowohl die Bewerbe FFWGK-Glock als auch das 3-Stellungsmatch mit dem AUG A3 BMI. Ivana Kovacevic krönte sich zum dritten Mal zur Bundesmeisterin vor Sandra Loidl (OÖ) und Bettina Arlt (NÖ). Bundesmeister bei den Herren wurde Harald Furthner vor Gerald Hartl und Franz Mayr (alle OÖ).

Siegerehrung Kombi-Bewerb FFWGK-AUG A 3, von links Pirchner, Sandra Loidl, die Siegerin und 3-fache Bundesmeisterin Ivana Kovacevic, Bettina Arlt, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Siegerehrung Kombi FFWGK-AUG mit Pirchner, Franz Mayr, Bundesmeister Harald Furthner, Gerald Hartl, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Ein Highlight bei jeder BPM ist natürlich der PPS-Bewerb – Praktisches Pistolenschießen. Noch dazu weil sich der Bewerbsverantwortliche Mirco Durinovic, selbst ein IPSC-Schütze, den 2-fachen Europameister und Vizeweltmeister in der IPSC-Revolver-Division Gerald Reiter

Vizeweltmeister und 2-facher Europameister in der IPSC-Revolver-Division Gerald Reiter – PSV Bgld Foto: Paul Pirchner

Gerald Reiter hoch konzentriert Foto: Paul Pirchner

mit den Mannen des PSV Burgenland ins Boot holte, um acht Stages – 4 in jeder Bucht – aufzubauen, wobei Gerald nicht nur mit Rat und Tat unterstützte, sondern auch Equipment mit mehreren Anhängern aus dem Burgenland herankarrte. In diesen acht Stages mit einer Mindestschussanzahl von 149 wurden dann auch alle Register, die das dynamische, sportliche Schießen ausmachen, gezogen.

Simon Heiligenbrunner beim dynamischen Start Foto: Paul Pirchner

Die Crew um Gerald und Mirco bauten einige bewegliche Ziele, sogenannte Pendler, ein, sparten aber auch mit Stahlzielen nicht.

Gerald Reiter rockt Stage 1 Foto: Paul Pirchner

Ein besonderes Highlight war dann eine sogenannte „Mickymaus“, ein bewegliches Ziel mit 2 Stahlplates, das händisch durch Ziehen eines Seiles ausgelöst werden musste.

Andreas Oriol beim Auslösen des Pendels Foto: Paul Pirchner

Natürlich gab es teilweise auch durch No-Shot-Scheiben verkleinerte Targets. Schießen durch Luken und Öffnungen,

Lisi Strasser in niedriger Schussposition Foto: Paul Pirchner

Reinhard Handl beschießt drei Targets durch die Luke Foto: Paul Pirchner

Blick aus Sicht eines Targets Foto: Paul Pirchner

Schießpositionen hinter Barrikaden und eine Stage wo die Schützinnen und Schützen zweimal mit der geladenen Waffe rückwärts laufen mussten,

In der Rückwärtsbewegung Foto: Paul Pirchner

verlangten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fortgeschrittene Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit der Waffe und den Sicherheitsregeln ab. Die Startbedingungen variierten ebenso.

Reinhard Handl wartet auf das Startkommando Foto: Paul Pirchner

Einmal musste die Waffe vor dem Start geladen und geholstert, dann wieder halbgeladen, ungeladen oder die Magazine und Waffe getrennt voneinander auf einer Tonne abgelegt werden.

Simon Heiligenbrunner im Anflug auf Waffe und Magazine – Foto: Paul Pirchner

Simon HEILIGENBRUNNER in perfekter Schusshaltung – Foto Paul Pirchner

Auch der Wechsel zwischen kurzen und längeren Entfernungen verlangte von den Schützeninnen und Schützen Fähigkeiten hinsichtlich des richtigen Einschätzens – wo kann ich schnell und nur mit grober Visierung schießen und wo muss die Geschwindigkeit zurückgenommen und präzise geschossen werden. Kleine Stahlziele auf einer Entfernung von 15 – 20 Metern erfordern eben eine genaue und präzise Zielerfassung und ein sauberes Abziehen, auch wenn die Zeit bis zur Schussabgabe vielleicht einige Zehntel länger dauert. Diese Investition in sauberes Schießen zahlt sich aus, ansonsten leert sich ein Magazin schneller als gedacht und der im „Walk-through“ gedachte und geplante Ablauf gerät gehörig aus den Fugen.

Die erfahrenen Range Officer

Range Officer Klaus Gasteiger bereitet sich auf das Briefing vor Foto: Paul Pirchner

konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ruhig durch die acht Stages, die im ersten Anblick

Lisi Strasser läuft in Position Foto: Paul Pirchner

manchmal vielleicht einfacher wirkten als sie tatsächlich waren, führen und so konnte der Bewerb reibungslos über die Bühne gebracht werden.

Arbeitseinsatz auf Stage 5 Foto: Paul Pirchner

Auch die alte Weisheit: „Egal wie leicht oder schwer ein Parcour ist, es setzen sich zuletzt immer die besten Schützen durch“, wurde wiederum eindrucksvoll bestätigt.

Bei den Damen war Amy King des LPSV Vorarlberg vor Tina Musits des PSV Wien und Sandra Loidl (OÖ) die Beste, bei den Herren ging der Sieg in der allgemeinen Klasse  an Klaus Gasteiger des LPSV Steiermark vor den beiden Cobra-Beamten Daniel Hollub und Thomas Hasenbacher.

Siegerehrung PPS Allgemeine Klasse mit Pirchner, Sieger Klaus Gasteiger, Thomas Hasenbacher als 3., Markus Egerer Bild: Horst Kerschbaumer

In der Klasse Senioren 1 der Herren ließ sich Josef Kepplinger des LPSV OÖ den Sieg nicht nehmen und distanzierte Thomas Klaus und Reinhard Arlt aus NÖ. In der Klasse Herren Senioren 2 teilten sich die zwei erfahrenen IPSC-Top-Schützen und langjährigen Leistungskadermitglieder Günter Weber des PSV Tirol und Gottfried Post (OÖ) die Plätze 1 und 2, wobei Günter den „Jungpensionisten“ Gottfried in die Schranken wies. Günther Käferböck (OÖ) wurde 3.

Siegerehrung PPS Senioren 2 mit Gottfried Post, Günter Weber und Günther Käferböck Foto: Paul Pirchner

In der Leistungsklasse bei den Damen behauptete sich Christa Hochholdinger (OÖ) vor Lisi Strasser (NÖ) und Margit Steurer (PSV Tirol). Als Tagesbeste bei den Damen sicherte sich Christa Hochholdinger auch den Bundesmeistertitel.

Damen PPS Leistungsschützinnen Von links Pirchner, Lisi Strasser, Christa Hochholdinger, Margit Steurer Foto: Horst Kerschbaumer

Extrem spannend war die Entscheidung in der Leistungsklasse bei den Männern. Simon Heiligenbrunner (SV Cobra), Andreas Oriol (LPSV OÖ) und Gerald Reiter (PSV Burgenland) sind alle drei internationale Top-IPSC-Schützen, allerdings bei internationalen Wettkämpfen mit anderen Fabrikaten im Einsatz. Der Bundesmeister aus dem Jahr 2019 Simon Heiligenbrunner konnte seinen Titel knapp vor Andreas Oriol verteidigen und wurde Bundesmeister 2021. Der Doppeleuropameister und Vizeweltmeister in der IPSC-Division Revolver Gerald Reiter wurde Dritter. Wenige Minuten nachdem die Stages unter seiner Federführung nach drei Tagen fertig aufgebaut worden waren, griff Gerald mit allen anderen Helfern zur Waffe und hatte das PreMatch absolviert.

PPS-Overallwertung: Von links Paul Pirchner, Andreas Oriol, Bundesmeister Simon Heiligenbrunner, Gerald Reiter, Markus Egerer Foto: Horst Kerschbaumer

Simon, Andi und Gerald waren auch in der Overall-Wertung vorne und haben uns eindrucksvoll die Faszination des dynamischen Schießens aufgezeigt.

Simon Heiligenbrunner beim Positionswechsel Foto: Paul Pirchner

Andi Oriol beim dynamischen Positions- und Magazinwechsel Foto: Paul Pirchner

Manfred Winkler durch die Luke Foto: Paul Pirchner

Andi Oriol beim Wegstarten aus der Startposition Foto: Paul Pirchner

Simon Heiligenbrunner beim Positions- und Magazinwechsel Foto: Paul Pirchner

Die Mannschaftswertung ging an das Team des SV Cobra.

Mit etwas Verzögerung wurde dann am späteren Mittwochnachmittag vom sportlichen Leiter der Schießbewerbe  Markus Egerer gemeinsam mit dem Fachreferenten des ÖPolSV für das Schießen Großkaliber Paul Pirchner die Siegerehrung vorgenommen, ehe die Schützinnen und Schützen wieder die Heimreise in ihre Bundesländer antraten.

BPM 2021 – Siegerehrung Foto: Horst Kerschbaumer

Als Fachreferent möchte ich mich bei allen Teilnehmerninnen und Teilnehmern für ihr Kommen und für die hervorragende Disziplin bedanken Mit 83 Teilnehmerninnen und Teilnehmern im Glock-, 52 im Langwaffen- und 82 im PPS-Bewerb hatten wir ein wesentlich größeres Teilnehmerfeld als bei der letzten BPM, was mich zuversichtlich macht.

Besonders bedanken möchte ich mich beim sportlichen Leiter der Schießbewerbe Markus Egerer den Bewerbsverantwortlichen Bernhard Janku, Rafael Tremml, Mirco Durinovic sowie den erfahrenen Unterstützern, den ehrenamtlichen Helfern, Einsatztrainern, WEGA-Bediensteten und Aspiranten. Ohne eure Unterstützung, fachkundigem Wissen und ausgezeichnetem Engagement könnte die „Polizeiolympiade“ in dieser Form nicht durchgeführt werden.

Die fleißigen Helfer beim PPS Foto: Paul Pirchner

Es waren schöne, interessante und sehr spannende Wettkämpfe. Wir haben uns in diesen drei Tagen sehr wohl gefühlt, werden die BPM 2021 immer in bester Erinnerung behalten und freuen uns jetzt schon auf die BPM 2023.

Der Fachreferent:

Paul Pirchner

Vorstellung Fachreferat

Fachreferat „Schießen Großkaliber PPS“

Da in den letzten Monaten sämtliche Veranstaltungen – natürlich auch im Schießsport – aufgrund der „Corona-Pandemie“ weltweit abgesagt wurden, möchte ich als Fachreferent des Fachreferates „Schießen Großkaliber PPS“ die Gelegenheit nutzen, um das Fachreferat, insbesondere die Sparte „PPS“ vorzustellen.
Auch wenn sich das Fachreferat „Schießen Großkaliber PPS“ nennt, liegt der Schwerpunkt des BMI-Leistungskaders beim sog. „IPSC-Schießen“ und nicht beim „Präzisionsschießen“. Was genau „IPSC-Schießen“ bedeutet, dazu weiter unten.

Gründung des Fachreferates:
Das Fachreferat „PPS“ und somit der Leistungskader „PPS“ wurde mit 1.1.2006 gegründet; bis dahin gab es zwar einen BMI-Schießkader, jedoch nur für die ISSF Sportwaffensparte Luft- und Kleinkaliber; als im Jahr 2004 bei den österreichischen Meisterschaften „Faustfeuerwaffe Großkaliber“ Dietmar SIGL der LPD OÖ mit einer Bronzemedaille mächtig aufzeigte, begannen einige wohlverdiente Kollegen sich beim BMI für eine spezielle Förderung der Großkalibersparte einzusetzen; besondere Verdienste machte sich mein Vorgänger als Fachreferent, Horst KERSCHBAUER. Eine Integration der Großkaliberschützen in den Sportwaffenkader war aufgrund der Verschiedenheit der Sparten völlig unmöglich.
Tatsächlich führte das stetige Bemühen mit 1.1.2006 zum Erfolg und ein eigenes Fachreferat für Großkaliber und Praktisches Pistolenschießen wurde aus der Taufe gehoben; 8 Schützen, 1 Trainer und der Fachreferent Horst KERSCHBAUMER waren die Männer/Frauen der 1. Stunde.
Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch Margit STEURER mit an Bord; Gottfried POST, auch Gründungsmitglied ging mit 30.4.2020 in den Ruhestand.

Gottfried Post  Foto: Paul Pirchner

BMI-Team bei der IPSC WM 2014 Foto: Paul Pirchner

Aktuell besteht der Kader aus Reinhard HANDL, Simon HEILIGENBRUNNER,

Simon HEILIGENBRUNNER und der alte Fiat Foto: Paul Pirchner

Johann LANG, Andreas ORIOL, Gerald REITER, Margit STEURER,

Margit STEURER   Foto: Paul Pirchner

Jürgen STRANZ und Elisabeth STRASSER;

Lisi STRASSER – seit Jahren Topschützin – hier bei der IPSC WM 2014 in Florida Foto: Paul Pirchner

Christa HOCHHOLDINGER wurde Mutter und ist in Karenz.
Trainer sind Manfred WINLER und Florian KENDLBACHER.

Trainer Manfred WINKLER     Foto: Paul Pirchner

 

Trainer Florian KENDLBACHER und der beste Schütze der letzten 20 Jahre Eric GRAUFEL                                 Foto: Florian Kendlbacher

IPSC WM Frankreich Stagedesign Foto Florian Kendlbacher

Stagedesign USIP World Police Games Foto: Paul Pirchner

Was versteht man unter „IPSC-Schießen“?
Die „International Practical Shooting Confederation – kurz IPSC“ wurde 1976 in den USA gegründet und ist in über 100 Ländern der Welt vertreten.
Das „IPSC-Schießen“ kann man als sog. „dynamisches Schießen“ bezeichnen, dass seine Wurzeln im praktischen Pistolenschießen hat; der Schütze/die Schützin bewegt sich durch einen vorgegebenen Parcours (auch Stage genannt) wo verschiedene Ziele, Scheiben und/oder Stahlziele in unterschiedlichen Größen und Entfernungen aufgebaut sind; es gibt Ziele, die teilweise verdeckt oder die in Bewegung sind – sog. fahrende Scheiben, Pendelscheiben, Up- und Downscheiben – und Ziele, die keinesfalls beschossen werden dürfen (sog. Non-shot-Scheiben). Natürlich variieren auch die Schießpositionen;

Christa HOCHHOLDINGER in tiefer Position      Foto: Florian Kendlbacher

von Scheiben, die man im Vorbeilaufen beschießen kann bis zu Scheiben, die nur aus kniender, liegender oder aus einer Position hinter einer Barrikade beschossen werden können;

Jürgen Stranz am Boden       Foto: Florian Kendlbacher

Andreas ORIOL in Bewegung Foto: Paul Pirchner

ganz zu schweigen vom einhändigen Schießen (mit linker oder rechter Hand).

Reinhard HANDL einhändige Schussabgabe am Motorrad sitzend Foto: Paul Pirchner

Viele Schießpositionen werden durch Aufbauten, Hindernisse udgl. vorgegeben. Im Allgemeinen werden die Waffe und die Magazine am Mann getragen, es gibt aber auch Stages, wo die Waffe oder Magazine auf verschiedenen Gegenständen abgelegt werden und der Schütze sprintet vom Startplatz zur Waffe bzw. zu den Magazinen. Ein Wettkampf besteht aus mehreren unterschiedlichen Parcours mit ganz verschiedenen sportlichen Herausforderungen. Auf jeder Stage sind zwischen 6 bis maximal 32 Treffer zu erzielen.
Die Schützen haben 3 Minuten Zeit, die Stage zu besichtigen, den Parcours richtig zu lesen, dh wo mache ich einen erforderlichen Magazinwechsel, was ist die ideale Schießposition, schieße ich in Bewegung, bleibe ich beim Schießen stehen, nehme ich lieber weitere Entfernungen in Kauf oder laufe ich mehr, dafür sind die Entfernungen kürzer und man kann eine schnellere Schussabfolge abgeben abgeben; man sich sehr komplexe Bewegungsabläufe einprägen und verinnerlichen ähnlich wie ein Slalomläufer bei der Besichtigung…
Der Schütze startet nach einem „Timersignal“;

Reinhard HANDL am Start: Load and make Ready ! Foto: Paul Pirchner

die Zeit bis zum letzten Schuss wird auf 1/100 Sekunden gemessen; die erzielten Trefferpunkte werden addiert; fehlende Treffer und Ablauffehler führen zu Punkteabzügen und Randtreffer zu schlechteren Punkten. Die somit erzielten Trefferpunkte werden addiert und durch die erforderliche Zeit dividiert; daraus errechnet sich für jeden Parcours ein Leistungsparameter. Derjenige Sportler, der es schafft, den höchsten Punktewert aus der Gesamtheit aller Stages zu erzielen, ist der Sieger.

Gerald REITER – 2facher Europameister und Vizeweltmeister in der Revolver-Division und Johann LANG – Vizeweltmeister bei den Senioren in der Revolver Division    Foto: Reiter

Beim IPSC-Schießen gilt es die Balance zwischen Schnelligkeit und Präzision zu finden, wo muss ich mich zurücknehmen, wo kann ich Gas geben; aber nicht nur das Schießen selbst, auch die Bewegungsabläufe, die richtige Technik, schnelles Handling mit der Pistole, richtige (zeitsparende) Magazinwechsel, gute körperliche und mentale Fitness und Konzentration sind gefragt.

Im IPSC-Sport wird in verschiedenen Klassen – Divisions – gewertet, abhängig vom Waffentyp; die gängigsten sind die Standard-Division, Open-Division, Production-Divison, Revolver-Division

2-facher Europameister und Vizeweltmeister Gerald REITER – Division Revolver     Foto: Paul Pirchner

und die Classic-Division; so sind etwa in der Production-Division nur Pistolen zugelassen, die in einer offiziellen Liste genannt sind; Waffen der Production-Division dürfen nicht modifiziert werden und werden in der Regel so wie in der Fabrik hergestellt verwendet; häufig handelt es sich dabei um Modelle, die auch bei Behörden als Dienstwaffen verwendet werden wie etwa die Glock 17, CZ SP 01 oder 02.
Da der IPSC-Sport nicht olympisch ist, sind die Welt- und Europameisterschaften das Ziel aller IPSC-Schützen; auf nächster Ebene finden sog. „Level III-Bewerbe“, das sind internationale Wettkämpfe, statt.
Das IPSC-Schießen ist äußerst trainingsaufwändig; neben beinhartem Training mit scharfem Schuss ist auch körperliches und mentales Training erforderlich;

Reinhard Handl knieend an der Barrikade    Foto: Paul Pirchner

oft betragen die Unterschiede bei der Schussabgabe selbst zwischen den Wettkämpfern nur wenige Zehntelsekunden, aber bei den Bewegungsabläufen, einzelnen Schießpositionen kann viel Zeit gewonnen oder verloren werden.
Nicht umsonst heißt das Motto beim IPSC-Schießen DVC (lateinisch für Diligentia-Vis-Celeritas – Präzision-Kraft-Schnelligkeit).
Der IPSC-Sport ist in Österreich sicherlich nicht so populär wie in anderen Ländern; in Tschechien etwa genießt der IPSC-Sport einen sehr hohen Stellenwert; die internationalen Topstars in der Schießszene sind Vollprofis, die vom Schießsport gut leben können.

Erfolge des BMI-Leistungskaders:
Die Schützen/Innen des Leistungskaders mitsamt den Trainern konnten sich in den letzten Jahren durchwegs für Welt- und Europameisterschaften qualifizieren und haben sehr erfolgreich an den Wettkämpfen als Mitglieder des österreichischen Nationalteams der IPSC-Austria teilgenommen. Es wäre unmöglich, alle Erfolge aufzuzählen; neben zahlreichen Medaillenplätzen als Teil der österreichischen Nationalmannschaft gab es auch eine Reihe von Einzelmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften wie etwa durch:
• Gerald REITER: 2-facher Europameister 2013 und 2016 in der Revolver-Division
Vize-Weltmeister 2017 und Vize-Weltmeister 2019 in der Revolver-D.

Gerald REITER – 2-facher IPSC-Europameister und Vizeweltmeister  Foto: Paul Pirchner

• Reinhard HANDL: Vize-Weltmeister 2017 und
Vize-Europameister 2019 in der Standard-Division bei den Senioren

Gerald REITER und Reinhard HANDL – Medaillensammler bei IPSC-WM und EM    Foto: Gerald Reiter

• Gottfried POST: 3. Platz bei der EM 2010
Vize-Weltmeister 2011
Vize-Europameister 2016 jeweils in der Standard-Division bei den Senioren

BMI-Kader Medaillengewinner IPSC-EM 2016 von links Lisi STRASSER, Gottfried POST, Margit STEURER, Christa HOCHHOLDINGER, Gerald REITER und Reinhard HANDL  Foto: Florian Kendlbacher

• Margit STEURER: 3. Platz bei der EM 2010 und 2013 jeweils in der Open Division
• Günter WEBER: 3. Platz bei der EM 2011 in der Open Division bei den Senioren
• Christa HOCHHOLDINGER. Vize-Europameisterin in der Standard-Division 2016
• Johann LANG: Vize-Europameister 2019 in der Revolver-Division bei den Senioren

Medaillengewinner IPSC-EM 2019 des BMI-Kaders von links Gottfried POST, Johann LANG, Reihard HANDL und Gerald REITER Foto: Florian Kendlbacher

• Franz VOLK: 3. Platz bei der EM 2007 in der Open Division bei den Senioren

IPSC WM 2017 – BMI-Kader Foto: Florian Kendlbacher

Aber auch die anderen aktiven oder ehemaligen Kadermitglieder wie Lisi STRASSER, Jürgen STRANZ, Andreas ORIOL, Simon HEILIGENBRUNNER oder Friedrich ZIEBART landeten bei Welt- und Europameisterschaften in den heiß umkämpften Standard- und Production-Divisions stets in den vorderen Rängen, wobei sich Jürgen STRANZ seit Jahren konstant unter den Top 20 der Welt etabliert.

Jürgen STRANZ – seit Jahren Top-Standard-Schütze  Foto: Paul Pirchner

Die beiden Trainer Manfred WINKLER und Florian KENDLBACHER sind regelmäßige, sehr erfolgreiche Teilnehmer an internationalen Wettkämpfen und EM oder WM.
Die Aufzählung der Staatsmeistertitel der Kaderschützen/Innen würde den Rahmen sprengen, sind es doch jenseits der 100. Ebenso gewinnen die Leistungsschützen jedes Jahr unzählige sog. „Level-III-Matches“.
Aber auch bei Weltmeisterschaften für Polizeisportverbände der internationalen Polizeisportvereinigung USIP konnten wir in den letzten Jahren herausragende Leistungen bringen; erwähnenswert ist hier insbesondere der 3. Platz von Andreas ORIOL

3. Platz im Herren-Einzel bei der USIP-WM in China:  Andreas ORIOL  Foto: Paul Pirchner

bei den USIP-Weltmeisterschaften 2018 in China und der 3. Platz des Teams Austria bei der USIP-Weltmeisterschaft 2017 in den VAE.

Österr. Delegation bei den USIP World Police Games in Abu Dhabi von links Delegationsleiter Mag. Günter KAUFMANN BMI, Andreas ORIOL, Manfred WINKLER, Reinhard HANDL und Fachreferent Paul PIRCHNER    Foto: Paul Pirchner

Vorstellung Fachreferent:
Als Fachreferent darf ich mich nochmals kurz vorstellen: Mein Name ist Paul PIRCHNER; ich werde heuer 60 Jahre alt und kam erst relativ spät zum Schießsport; anfangs der 2000er Jahre kam ich mit den Milizschützen in Kontakt, absolvierte den einen oder anderen Trainingskurs und trat dann einige Jahre später den Combat-Schützen des USSC Lochen in OÖ teil; Insider werden sich noch an das jährliche Highlight in Lochen, den „Lochner Bären“, erinnern; leider hat sich der Verein inzwischen aufgelöst.
In den letzten Jahren habe ich mich vorwiegend auf das Präzisionsschießen konzentriert und nehme regelmäßig an Bewerben im „FFWGK-Faustfeuerwaffen-Großkaliber“ teil.
Mit 1.1.2014 bin ich in die großen Fußstapfen von Horst KERSCHBAUMER getreten und habe das Fachreferat übernommen.
Als Fachreferent obliegt mir natürlich auch die Verwaltung der Leistungsschützen/Innen, die Planung und Vorbereitung sowie Leitung von Trainingskursen, Berichterstattung, Pressearbeit, das Fachreferat innerhalb des ÖPolSV und im BMI zu vertreten udgl.

Margit STEURER und Jürgen STRANZ schauen Günter WEBER bei Reparaturarbeiten genau auf die Finger Foto: Paul Pirchner

sowie die Mitwirkung bei Polizei-Bundesmeisterschaften; als Fachreferent gilt es natürlich, die jeweiligen verantwortlichen Schießfunktionäre bei der Vorbereitung und Abwicklung von Bundespolizeimeisterschaften zu unterstützen.
Leider kamen die klassischen Präzisionsbewerbe „Glock-FFWGK“ und „MP88-3-Stellung-Match“ wie sie bei der Bundespolizeimeisterschaft absolviert werden, in diesem Artikel zu kurz; vielleicht kann dies zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
Heute ging es mir einfach darum, den Leistungskader vorzustellen, die Geheimnisse des IPSC-Schießens zu lüften und euch diesen äußerst interessanten und abwechslungsreichen Sport näher zu bringen; leider ist es in Österreich immer schwieriger, geeignete Stätten für dynamisches Schießen zu finden und dann noch in den elitären Kreis der Schützen aufgenommen zu werden; nebenbei ist das IPSC-Schießen sehr trainingsintensiv, zeitaufwändig und auch nicht gerade billig.
Ich möchte die Gelegenheit daher auch nutzen, um mich beim Dienstgeber – dem BMI – für die großartige Unterstützung zu bedanken.

Team Österreich bei den USIP World Police Games in Mailand 2019 von links Reinhard HANDL, Simon HEILIGENBRUNNER, Andi ORIOL und Paul PIRCHNER Foto: Paul Pirchner

Allen Interessierten darf ich den Tipp geben, möglichst an vielen sog. „Level-III-Matches“ teilzunehmen und sich mit den Kaderschützen des BMI zu messen; die BMI-Schützen sind alles Topschützen und für alle anderen Gradmesser hinsichtlich ihrer eigenen Stärke. Die Schießszene in Österreich ist überschaubar und bei konstanten guten Schießergebnissen laden wir die Sportler gerne zu einem der jährlichen 3 Trainingskurse ein, wo sie sich dann entsprechend empfehlen und präsentieren können.

In diesem Sinne darf ich mich mit dem weltweiten Motto und Gruß der IPSC-Schützen „DVC“ verabschieden !
Paul Pirchner

Fachreferent Schießen Großkaliber PPS – Paul PIRCHNER

3. USIP World Police Games in Mailand – Schießen

Der Polizei Weltsportverband USIP veranstaltete vom 19.9. – 26.9.2019 in Mailand/Italien die 3. World Police Games; zu diesen Spielen entsendete das BMI Leistungssportlerinnen und Leistungssportler der Sektionen Laufen, Schwimmen, Judo und Schießen. Gemeinsam fuhren der Fachreferent für das praktische Pistolenschießen, Paul PIRCHNER und die Leistungssportler Simon HEILIGENBRUNNER der EKO Cobra, Reinhard HANDL der EKO Cobra und Andreas ORIOL der LPD OÖ daher am 19.9.2019 mit einem Dienstkraftfahrzeug mit doch etwas gemischten Gefühlen nach Mailand.

Team Austria mit Reinhard Handl, Fachreferent Paul Pirchner, Simon Heiligenbrunner und Andreas Oriol Foto: Paul Pirchner

Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, hatten wir nämlich im Vorfeld alle Daten und Fakten mit standardisierten Formblättern, insbesondere zu den Waffen und der Munition dem Veranstalter gemeldet; jeder Schütze durfte seine Waffe, mit der er normalerweise die Wettkämpfe bestreitet, mitnehmen, dh in unserem Fall CZ 75 SP-01 Shadow und eine Sphinx 3000 samt Munition 9x19mm. Völlig überraschend konnte dann am 10. September 2019 (!) zufällig in Erfahrung gebracht werden, dass das italienische Innenministerium allen Teilnehmern die Erlaubnis zur Einfuhr der Waffen und Munition mit dem Kaliber 9x19mm widerrufen hatte; natürlich war bekannt, dass das Kaliber 9x19mm in Italien Kriegsmunition und damit verboten ist, aber von Polizei und Heer wird genau dieses Kaliber verwendet. Auf Nachfrage beim Veranstalter erfuhren wir, dass für die Teilnehmer verschiedene Leihwaffen ua Glock, Tanfoglio, Beretta, CZ und andere Fabrikate zur Verfügung stehen, natürlich alle im Kaliber 9x21mm.
Wir sind dann gut im Athletenhotel „Da Vinci“ in Mailand

Unterkunft für alle Athleten: Hotel Da Vinci in Mailand  Foto. Paul Pirchner

angekommen und schon am nächsten Tag hieß es früh aus den Federn kriechen, da ein Training mit den zur Verfügung gestellten Waffen am Programm stand und so fuhren wir zur Schießstätte in Uboldo, etwa 20 Km von Mailand entfernt.

Übersicht über die Shooting Range in Uboldo Foto: Paul Pirchner

Am Schießplatz dann die nächste Überraschung! Es gab nicht verschiedene Leihwaffen, sondern nur ein Fabrikat der Marke Beretta. Begründet wurde dies damit, dass die Waffenschmiede Beretta der Hauptsponsor sei und die Verwendung anderer Waffen daher nicht möglich ist.
Die Schützen durften dann für einige Minuten die für sie völlig fremde Waffe im Trockentraining kennenlernen und dann noch 20 scharfe Schüsse abgeben.

Simon Heiligenbrunner beim Training – Kennenlernen der Waffe Foto: Paul Pirchner

Beim technischen Meeting am Nachmittag des 20.9.2019 im Hotel wurde heftig diskutiert, aber laut Veranstalter stand die Schießveranstaltung am Rande des Abbruchs und nur durch das Entgegenkommen der Fa Beretta ist es gelungen, die Veranstaltung überhaupt zu retten.
Am Abend des 20.9.2019 fand die feierliche Eröffnung der USIP World Police Games in Monza statt; die Eröffnung vor dem Schloss war ein richtiges Erlebnis und endete mit einem riesigen Feuerwerk.

Eröffnungszeremonie in Monza Foto: Paul Pirchner

Team Österreich auf dem Weg zur Eröffnung in Monza mit von links Reinhard HANDL, Simon HEILIGENBRUNNER, Andi ORIOL und Paul PIRCHNER Foto: Paul Pirchner

Am Samstag, den 21.9.2019 ging es dann für alle Teilnehmer mit Mannschaftsbussen zum Schießplatz in Uboldo; die Schießstätte liegt in einer riesigen ehemaligen Schottergrube; in 10 Buchten hatte der Veranstalter 10 Stages hineingebaut.

Shooting Range in Uboldo Foto: Paul Pirchner

Simon Heiligenbrunner auf Stage 5 einem Medium Course Foto: Paul Pirchner

Das Match bestand aus 6 sog. „Long Courses“, 2 „Medium Courses“ und 2 „Short Courses“; die Mindestschussanzahl betrug 252. Der Aufbau entsprach dem Reglement der IPSC und wies alle Elemente eines IPSC-Matches auf, nämlich kurze und weite Entfernungen, große und kleine Ziele, Stahlziele in Form von Plates und Poppers,

Andi Oriol im Long Course auf Stage 3 Foto: Paul Pirchner

bewegliche Ziele wie Pendelscheiben und fahrende Scheiben; auch einige sog. „No shoot-Scheiben“ wurden eingebaut.

Simon Heiligenbrunner auf Stage 10 mit Pendelscheiben und einer fahrenden Scheibe Foto: Paul Pirchner

Das Stagedesign war eher schlicht mit durchsichtigen bzw. zum Teil verdeckten Barrikaden. Wenngleich die einzelnen Stages auf den ersten Blick nicht besonders schwierig aussahen, so hatten die einzelnen Stages durchaus ihre Tücken. Insgesamt war es aber ein sehr gelungener und schöner Aufbau.

Reinhard HANDL in Startpostion Foto: Paul Pirchner

Reinhard macht sich klein Foto: Paul Pirchner

Unser Team war mit 6 Schützen (3 Männer und 3 Frauen) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in einer Squad. Die Taktik von Simon, Reinhard und Andi war, zu Beginn jedenfalls auf sauberes Schießen und präzise Treffer zu achten und die Zeit auf Kosten der Treffer etwas zu vernachlässigen;

Beobachten: Wie macht`s die Konkurenz ? Andi, Reinhard und Simon von links Foto: Paul Pirchner

keiner der Leistungsschützen hatte jemals mit einer Beretta geschossen und das Handling mit dieser Waffe war für alle gänzlich neu und ungewohnt; auf jedem Stand lagen 2 fabriksneue Beretta auf, natürlich auch das weitere notwendige Equipment wie Gürtel, Holster, Magazine.

Die zur Verfügung gestellten Waffen: Beretta 92 Foto: Paul Pirchner

Während 1 Schütze den Parcours absolvierte, musste der nächste Schütze sich mit dem fremden Gürtel und der Waffe ausstatten, oftmals den Gürtel natürlich auch entsprechend verstellen. Man kann sich vorstellen, natürlich nicht die beste Vorbereitung für den Schützen, da ja pro Stand nur 2 Waffen und 2 Gürtel zur Verfügung standen.

Reinhard legt sich den Waffengürtel an; links Simon Foto: Paul Pirchner

Die ersten 5 Stages wurden am Samstag bei strahlendem Sonnenschein, die restlichen 5 am Sonntag bei bedecktem Himmel geschossen.

Andi am Start: Are you ready ? Foto: Paul Pirchner

Letztlich blieb Reinhard HANDL als einziger unseres Teams über den gesamten Bewerb fehlerfrei, während sich Simon HEILIGENBRUNNER und Andreas ORIOL insgesamt 2 sog. „Penalty-Treffer“ -das sind Scheiben, die nicht beschossen werden dürfen – und 2 „Miss“ – das sind fehlende Treffer- holten.

Andi in der Startposition am Stuhl sitzend Foto: Paul Pirchner

Am Abend des 22.9.2019 fand im Hotel die Siegerehrung statt; alle 3 Schützen konnten sich zwar im 1. Drittel des Starterfelds platzieren, für die vordersten Plätze reichte es aber nicht ganz. Reinhard HANDL wurde 20., Simon HEILIGENBRUNNER 24. und Andreas ORIOL 27.

Reinhard in extremer Position    Foto: Paul Pirchner

Simon auf Stage 4 Foto: Paul Pirchner

 

Andi in Stage 8 Foto: Paul Pirchner

Insgesamt waren 102 Schützinnen und Schützen aus 23 Nationen am Start. In der Mannschaft belegte unser Team den 7. Platz.
Der Sieg im Einzel ging – welche Überraschung – an einen italienischen Polizisten vor einem IPSC-Schützen aus Montenegro und einem Ungarn; bei der nachfolgenden Recherche im Internet fanden wir dann heraus, dass der Sieger im Werksteam von Beretta schießt…
Unsere italienischen Freunde haben natürlich auch in der Mannschaftswertung vor Tschechien und Spanien gewonnen.
Als Resümee muss gesagt werden, dass der Aufbau der einzelnen Stages und das Stagedesign durchaus gelungen war und einem sog. „Level-III-Match“ entsprachen und jedenfalls einer USIP-WM würdig waren; auch bezüglich des Ablaufes des Schießbewerbes, der Leistung der Range Officers, die sehr professionell wirkten, der Betreuung und des Umganges mit den Teilnehmern gab es nichts auszusetzen. Die USIP hatte die Durchführung der Veranstaltung offensichtlich dem dortigen Schießverein anvertraut. Merkwürdig war – wie bereits oben angeführt – das sehr kurzfristig verfügte Verbot der Mitnahme der eigenen Waffen und dann noch der Umstand, dass plötzlich nur Waffen der italienische Marke BERETTA zur Verfügung standen…
Die Leistungsschützen des BMI mussten mit der für sie gänzlich unbekannten Waffe schießen, wobei nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass die eine oder andere Nation mit diesem Fabrikat schon etwas vertraut war; besonders schwer taten sich unsere Leistungsschützen mit dem Magazinwechsel, der ganz anders als mit den gewohnten Waffen funktionierte und dem Abzugsverhalten der Waffen. So wurde vorrangig Wert auf saubere Treffer gelegt, in Summe büßten wir aber auf die Topathleten zu viel Zeit ein. Mit einer fremden Waffe fehlt natürlich das Vertrauen in die Waffe und die eigene Stärke und man ist eben nicht bereit, das letzte Risiko zu nehmen wie etwa die eine oder andere Ausweichscheibe nach dem Auslösen des Pendels noch mitzunehmen.

Unser Team mit Simon, Reinhard und Andi Foto: Paul Pirchner

Insgesamt hat die österreichische Mannschaft aber eine sehr ausgeglichene, gute Leistung geboten und alle 3 Athleten konnten sich weit vorne im Starterfeld platzieren.
Am Montag, den 23.9.2019 nach dem Frühstück traten wir wieder die Heimreise nach Österreich an; dabei ließen wir es uns nicht nehmen, den Text von Rainhard FENDRICHs „Strada del sole“ auf der Zunge zergehen zu lassen…
Ciao Italia – ti amiamo cosi tanto
Der Fachreferent Paul Pirchner

ÖPolSV Fachreferent Paul PIRCHNER Foto: Paul Pirchner

 

Reinhard startet, Andi filmt und Simon ist in Vorbereitung Foto: Paul Pirchner

Reinhard im Laufen auf Stage 9 Foto: Paul Pirchner

Reinhard schießt links an der Barrikade vorbei Foto: Paul Pirchner

Andi in Stage 7 durchs Fenster Foto: Paul Pirchner

Simon und der alte Fiat Foto: Paul Pirchner

Wie wärs mit einem Polizeipferd Reinhard ? Foto: Paul Pirchner

Simon – Are you ready ? Foto: Paul Pirchner

Große Erfolge der BMI-Leistungsschützen bei der IPSC-Europameisterschaft 2019

Vom 8. – 14. September 2019 fand in Belgrad/Serbien die IPSC-Europameisterschaft 2019 statt; das landläufig als „Praktisches Pistolen Schießen“ bekannte Schießen wurde am Areal der Serbischen Polizeisondereinheit Delta, direkt idyllisch an der Donau gelegen, ausgerichtet. Der Veranstalter hatte in 24 Buchten jeweils 1 sog. „Stage“ hineingebaut und ging dabei mit dem zur Verfügung stehenden Platz fast verschwenderisch um; einzelne Buchten sind nämlich bis zu 50 Meter lang und bis zu 20 Meter breit. Ein derartiger Schießplatz wäre bei uns in Österreich wohl nur im Traum vorstellbar.

Die IPSC Austria und der Österreichische Schützenbund entsendeten 41 Sportschützinnen und Sportschützen zu der nach der Weltmeisterschaft 2. größten Veranstaltung im sog. dynamischen Schießen; fast 1200 Starterinnen und Starter aus 54 Nationen nahmen an der EM teil. Auch 7 Schützen und 1 Schützin des BMI-Leistungskaders wurden als Mitglieder des österreichischen Nationalteams nach Belgrad entsendet.

Schon während des sog. PreMatches – vor dem Hauptbewerb – an dem die Veranstalter, Sponsoren und Schiedsrichter teilnehmen, ist es möglich die Range zu betreten und die Schützen beim PreMatch zu beobachten; für die Top-Schützen ist es daher ein Muss, diese Möglichkeit zu nutzen, sind doch wertvolle Erkenntnisse über die einzelnen Matches, Abläufe udgl. zu gewinnen.

Bei der ersten Besichtigung der Stages hatte man den Eindruck, dass es sich um ein leichtes Match handeln würde; dem war dann aber nicht so. Der Stage Designer hatte den Aufbau und den Ablauf der einzelnen Parcours nämlich genau so gestaltet wie ein IPSC Match sein sollte bzw. was ein IPSC Match ausmacht. Taktisch gewählte Rhythmusunterbrechungen, viele Wechsel von IPSC Targets zu kleinen bzw. verkleinerten Stahlzielen wie IPSC Popper, IPSC Mini Popper und Plates. Geschickt platzierte Halbscheiben, mit Hardcover und No Shoot Scheiben unterlegt, machten die Stages in Verbindung mit sehr vielen kurz gehaltenen Laufstrecken und Positionswechsel zu einem sehr anspruchsvollen und dynamischen Bewerb. Wenngleich sich die Verwendung von beweglichen Zielen in Grenzen hielt, so wurden dennoch Pendelscheiben, Pendelplates und fahrende Targets eingebaut; natürlich wurde jede Art von Schießpositionen, sei es stehend, knieend, gehend, laufend, liegend oder schussschwache und schussstarke Hand, abverlangt.

Alles in allem ein sehr gelungenes, anspruchsvolles und abwechslungsreiches Stage Design, wobei das Stage Design eher schlicht gehalten wurde.

Jeder Schütze hatte 4 Halbtage zu schießen; die Mindestschussanzahl betrug 450 Schuss.

Österreichs größte Medaillenhoffnung war wieder einmal der burgenländische Polizist Gerald REITER; Gerald kam als 2-fach regierender Europameister und als Vizeweltmeister in der Division Revolver nach Serbien und von Anfang an lieferte er sich mit dem deutschen Revolverschützen Tom KRONAWITTER ein beinhartes Match; obwohl Gerald fast fehlerfrei blieb, musste er sich letztlich ganz knapp dem Deutschen mit 99,18 Prozent (nicht einmal 18 Punkte) geschlagen geben und holte sich den Vizeeuropameistertitel.

Siegerehrung Division Revolver – 2. Platz und Vizeeuropameistertitel für Gerald REITER

Sein Landsmann, Johann LANG, war erstmals bei einer IPSC-EM und ritterte bei den Senioren in der Revolver Division von Beginn an um den Sieg mit; auch Johann musste sich letztlich knapp einem Deutschen geschlagen geben und hat gleich bei seiner 1. EM eine Silbermedaille mit nach Hause genommen.

Johann LANG – Vizeeuropameister bei den Senioren in der Division REVOLVER

Im Sog der beiden BMI-Leistungsschützen zeigten auch die beiden anderen Revolverschützen des österreichischen Teams, Robert KROISS und Markus PACK, ausgezeichnete Leistungen und so konnte das österreichische Revolverteam den Europameistertitel gewinnen und unsere deutschen Freunde hier auf den 2. Platz verweisen.

Das siegreiche Revolverteam AUSTRIA mit von links Johann LANG, Gerald REITER, Robert KROISS und Markus PACK vor Deutschland und Dänemark

In der Divsion Standard stellte Reinhard HANDL einmal mehr unter Beweis, dass er in seiner Kategorie, nämlich bei den Senioren in der Division Standard einer der besten Schützen weltweit ist; der Cobra-Mann aus Linz ist regierender Vizeweltmeister und hat sich auch bei dieser EM den Vizeeuropameistertitel geholt; seine Taktik, sauber schießen, möglichst präzise und fehlerfrei zu bleiben, ging auf.

Gemeinsam mit Gottfried POST, einem Urgestein des BMI-Leistungskaders und 2 weiteren Schützen holte sich das Standardteam auch in der Mannschaft den 2. Platz, wobei Gottfried POST durch eine hartnäckige Darminfektion gehandicapt schon am Rande der Aufgabe stand.

Aber auch die anderen Schützen des Leistungskaders zeigten beachtliche Leistungen, wenngleich es nicht für das Podest reichte.

Jürgen STRANZ, seit vielen Jahren das Aushängeschild in Österreich in der Standard Division, bleib aufgrund einiger nicht ganz optimaler Abläufe etwas hinter den Erwartungen zurück, zeigte aber mit seinem 16. Rang (bei 261 Startern), dass er nach wie vor einer der besten europäischen Pistolenschützen in der Standard Division ist.

Lisi STRASSER, seit Jahren ständig bei Welt- und Europameisterschaften vertreten, konnte sich auch diesmal in der Standard Division im Spitzenfeld platzieren und belegte den 6. Platz.

Die Production Division ist wohl die am härtesten umkämpfte Division; hier stellte der wohl beste Schütze in den letzten 20 Jahren seine Ausnahmeerscheinung wieder unter Beweis und Eric GRAUFFEL holte sich überlegen den Europameistertitel; beachtenswert der 3. Platz im Overall durch eine Frau, der Russin Maria GUSHCHINA.

Seitens des Leistungskaders nahmen in der Production Division der Cobra-Mann Simon HEILIGENBRUNNER und der Trainer des Leistungskaders, Florian KENDLBACHER, teil; Simon schlug sich bei seiner 1. EM ausgezeichnet und belegte im Overall den 68. Platz (bei insgesamt 358   Startern). Florian KENDLBACHER trat in der Seniorenklasse an und konnte sich im Mittelfeld platzieren.

 

Insgesamt zeigten die Kaderschützen auch bei dieser Europameisterschaft wieder einmal, dass sie nicht nur in Österreich, sondern auch international ganz vorne mitmischen; einige der Topschützen sind Profisportler, die ausschließlich vom Schießsport leben und natürlich andere Trainingsmöglichkeiten als die „Hobby-Schützen“ haben.

Medaillengewinner BMI-Leistungskader von links: Gottfried POST, Johann LANG, Reinhard HANDL und Gerald REITER

Als Fachreferent möchte ich daher allen Teilnehmern der EM gratulieren und mich bei dieser Gelegenheit auch beim Dienstgeber für die Unterstützung recht herzlich bedanken; ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich, international so ausgezeichnete Leistungen zu erbringen. Wir freuen uns jetzt schon auf die kommenden Großereignisse, die IPSC Weltmeisterschaft 2020 in Thailand und die nächste IPSC-Europameisterschaft 2022 in Griechenland.

 

Der Fachreferent Paul PIRCHNER

Großer Erfolg bei der WM in China

Guangdong und Guangzhou ? Noch nie gehört – dann ging es euch ähnlich wie mir. Als die Einladung zur 2 USIP Weltmeisterschaft im Schießen mit Dienstwaffen in Guangdong bzw Guangzhou über den Tisch flatterte, musste ich erst einmal im Wikipedia nachlesen.

Guangzhou – Blick vom Fernstehturm

Der Fernsehturm – Canton Tower

Guangdong – ehemals Kanton – ist eine chinesische Küstenprovinz im Südosten des Landes, die an Hongkong und Macau grenzt; die Hauptstadt Guangzhou liegt im industriell geprägten Delta des Perlflusses. Guangzhou ist eine weitläufige Hafenstadt in China, nordwestlich von Hongkong am Perlfluss gelegen und hat 14, 5 Millionen Einwohner.

Genau in diese Stadt sind wir am 11. November 2018 zur Weltmeisterschaft im Schießen mit Dienstwaffen aufgebrochen; wir das sind Referatsleiter BMI/I/13/b  Mag. Manfred RIEGLER BA MA als Leiter der österreichischen Delegation, Paul PIRCHNER als Coach, Administrator und Fachreferent des ÖPolSV und die 5 Schützen Reinhard HANDL, Simon HEILIGENBRUNNER, Andreas ORIOL, Gottfried POST und Manfred WINKLER.

Österr. Delegation von links: Gottfried Post, Simon Heiligenbrunner, Andreas Oriol, Manfred Riegler, Manfred Winkler , Reinhard Handl und Paul Pirchner

Kurz vor dem Start nach Moskau – wir flogen mit AEROFLOT – von Wien-Schwechat über Moskau nach Guangzhou kam es mit einem AEROFLOT-Mitarbeiter noch zu heftigen Diskussionen, die damit endeten, dass 3 Schützen ihre gesamte Munition in Wien zurücklassen mussten; die Munition dieser 3 Kollegen schien im System von AEROFLOT nicht auf.  So hoben wir doch etwas aufgeregt in Richtung Moskau auf; der Weiterflug nach China verzögerte sich etwas und gegen 11:00 Uhr – die Uhr wurde in der Zwischenzeit um 7 Stunden nach vorne gedreht – landeten wir in Guangzhou; noch am Gangway wurden wir von 2 chinesischen Betreuern, wobei einer perfekt Deutsch sprach, abgeholt. Dann die – wahrscheinlich für alle Chinareisenden – üblichen Prozedere wie Abnahme der Fingerprints aller 10 Finger, Gesichtsscreening usw. Am Flughafen gab es dann nochmals eine kurze Aufregung, da 2 Kollegen die Handschellen nicht mit dem Waffenkoffer, sondern mit dem normalen Gepäck, transportiert hatten; die Handschellen wurden vom Zoll beschlagnahmt und schließlich ging es mit dem Bus in Richtung Hotel. Nach einer Stunde Fahrt checkten wir in einem luxuriösen Hotel der Hilton-Gruppe mitten in der City hundsmüde gegen 14:00 Uhr ein und kamen so gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen.

Danach stand noch eine erste Lageerkundung der Umgebung am Programm.

Am zweiten Tag – alle noch müde von der langen Anreise und dem Jetlag – stand dann ein Training im Police Training Center of Guangdong Province am Programm; nach über einer Stunde Fahrzeit mit modernen Reisebussen trafen wir an der Shooting Range ein; in nicht einmal 1 Jahr hatten die Chinesen ein Schieß- und Trainingszentrum aus dem Boden gestampft, das uns alle vor Neid erblassen ließ. Die Dienstwaffen und die Munition wurden den Schützen vor Ort ausgefolgt – die Waffen verblieben während des gesamten Aufenthaltes beim Veranstalter bzw. der Polizei – und jeder Schütze durfte dann innerhalb von 5 Minuten 20 Trainingsschüsse streng nach Kommando so wie in der Polizeigrundausbildung abgeben; dann wurden die Waffen und Munition wieder in die Hände der dortigen Polizei übergeben.

Die österreichische Mannschaft beim Trainingsschießen

Am Abend folgte dann noch das Technical Meeting und es gab gegenüber  dem ursprünglichen Reglement doch einige Änderungen.

Am nächsten Tag startete der Wettkampf. Wie immer wurden die Teilnehmer mit Bussen und Polizeieskorten zum Schießplatz gebracht; wie bei einem Staatsbesuch wurden neuralgische Kreuzungen gesperrt, um dem Konvoi die Vorfahrt zu ermöglichen.

Der Veranstalter hatte insgesamt 10 anspruchsvolle Stages aufgebaut, wobei die Einzelstarter 7 und die Mitglieder des Teams alle 10 Stages absolvierten.

Stage 7: To search for suspects around the mountain


Der Stern mit No-Shot-Scheiben auf Stage 6

Im Einzel gingen Reinhard HANDL der EKO Cobra Mitte, Simon HEILIGENBRUNNER der EKO Cobra Ost, Andreas ORIOL der LPD OÖ und Manfred WINKLER der EKO Cobra Mitte an den Start; Gottfried POST der LPD OÖ musste als Jolly Joker – Reservist – schweren Herzens zuschauen. Wir durften auch ein Team mit 2 Schützen  stellen und entschieden uns für Andreas ORIOL und Manfred WINKLER als TEAM AUSTRIA.

Die 4 Starter des österr. Teams: Reinhard Handl, Manfred Winkler, Andreas Oriol und Simon Heiligenbrunner

Beim Aufbau und Stagedesign hatte der Veranstalter keine Kosten und Mühen gescheut; die einzelnen Stages waren gemäß dem jeweiligen Motto sehr farbenfroh, lebendig und abwechslungsreich aufgebaut und hatten klingende Namen wie etwa „To arrest the robbing mobsters“, „To handle the terror killing at school“, „Attack on the beach“, „Terrorism on a metro-station“, „Terrorism on the square“ oder „To search for suspects around the mountain!“ Wie man hört, durchaus sehr sensible, besondere Lagen, die jederzeit auftreten könnten, sich aber keiner wünscht.

Manfred Winkler verschafft sich einen Überblick

Auch sonst hat es der Veranstalter den Teilnehmern nicht leicht gemacht; alles, was im IPSC-Sport das Schießen so besonders macht, wurde in den Parcours eingebaut. Es gab kaum eine Stage, wo nicht mindestens ein bewegliches Ziel verbaut wurde, sei es ein Pendel, ein sog. „Up and Down“ oder eine fahrende Scheibe. Mit Metallscheiben – Plates und Popper – wurde auch nicht gegeizt, noch dazu mit teilweise weiten Entfernungen, nämlich bis zu 20 Metern.

Reinhard Handl schießt in der Bewegung
Stage 8: ‚Terrorism on the square

Wenngleich der Aufbau sich eng am Reglement der IPSC orientierte, so gab es doch ganz entscheidende Unterschiede zu einem üblichen IPSC-Match.

Andi Oriol sucht die geeignete Position

Als Targets wurden vorwiegend sog. „Mannscheiben“ verwendet, dh Täterscheiben oder Täter/Freundscheiben.

Mannscheibe mit Kernzone (0-Zone)

Mannscheibe mit 2 Randzonen

Die im IPSC übliche Wertung – Treffer durch Zeit – wurde ebenso nicht angewendet. Die Mannscheiben waren mit einer sog. „Kernzone“ und mit 1 oder 2 Randzonen ausgestattet.  Jedes Target musste mindestens 2 Treffer aufweisen, wobei Treffer in der Kern- oder Null-Zone keine „Strafsekunden“ mit sich brachten,  Treffer in den Randzonen aber sehr wohl; ein Treffer in der 1. Randzone wurde mit +3 Sekunden, ein Treffer in der 2. Randzone mit +5 Sekunden gewertet. Es zählten alle Treffer auf der Scheibe, entgegen dem IPSC-Reglement konnte ein zusätzlicher 3. Schuss einen Randzonentreffer nicht mehr ausmerzen.

Ein Fehlschuss, dh nur 1 Treffer auf dem Target, wurde mit +10 Sekunden, ein Freund/Geiseltreffer gar mit +20 Sekunden gewertet.

Als Endzeit für die Bewältigung eines Parcours zählte daher nicht nur wie schnell der Parcours absolviert wurde, sondern es wurden noch alle Strafsekunden dazugezählt.

Manfred Winkler auf Stage 4

Zusätzlich hat der Veranstalter auch noch vorgegeben, wie viele Magazine verwendet werden dürfen und wie viele Patronen in jedem Magazin geladen werden dürfen; noch dazu lag die zu magazinierende Patronenanzahl nur knapp über der Mindestschussanzahl, dh man hatte je nach Stage 2 – 5 Patronen mehr zur Verfügung als die absolute Mindestschussanzahl.

Simon Heiligenbrunner wartet auf das Startsignal

Dies alles hört sich einfach an, war aber gerade für IPSC-Schützen eine Riesenherausforderung; bei der IPSC geht es doch sehr um Schnelligkeit, es zählen immer nur die 2 besten Treffer und die Anzahl der abgegebenen Schüsse ist eigentlich unbegrenzt bzw. geht einfach auf Kosten der Zeit; einen Randtreffer kann man bei der IPSC durch einen sauberen Schuss in die A-Zone relativ gut ausgleichen, auch wenn die Zeit dafür einige Zehntelsekunden länger wird; letztlich werden die Punkte dann durch die Zeit dividiert.

Reinhard HANDL in Action

Somit war von Anfang an klar, dass ein gezieltes, sauberes, sehr präzises Schießen das Um und Auf sein wird; die Treffer sollten unter allen Umständen in der Kernzone liegen und die Zeit eine etwas untergeordnetere Rolle spielen. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Profis auf Pendelscheiben durchwegs gezielte Einzelschüsse abgaben und lieber den nächsten Hub abwarteten als gleich einen Doppelschuss – Doublette – zu riskieren; die Gefahr von einigen Strafsekunden wäre viel zu groß gewesen. Auch auf weite Entfernungen wie etwa Plates auf 15 – 20 Meter war ein präzises und sauberes Zielen unbedingt erforderlich, da sich die Munitionskapazität ansonsten bald dem Ende neigen würde; so manchem Teilnehmer, der sich bei diesen weiten Entfernungen „verbrannt“ hatte, ging dann tatsächlich bereits zur Hälfte des Parcours die Munition aus…

Andi Oriol beim Wegstarten

Andi Oriol

Andreas ORIOL der LPD OÖ, mehrfacher Staatsmeister in der IPSC-Production-Klasse und schon seit Jahren ein ausgezeichneter Glock-Schütze, bewältigte diese Gratwanderung zwischen halbwegs schnell und flüssig, aber dennoch sehr präzise am besten und belegte im Endklassement im Bewerb „Herren Einzel“ schließlich den ausgezeichneten 3. Platz hinter 2 Chinesen.

3. Platz im Herren-Einzel: Andreas ORIOL der LPD OÖ

Simon HEILIGENBRUNNER der EKO Cobra  war zwar nicht immer der schnellste im Parcour, schoss dafür aber extrem präzise und sauber und belegte somit in der Gesamtwertung den hervorragenden 8. Platz. Reinhard HANDL der EKO Cobra Mitte, Vizeweltmeister in der IPSC-Standart-Division bei den Senioren drückte zwar einige Male sehr schnell ab so wie aus der IPSC gewohnt, hatte in Summe aber zu viele Randtreffer, dh Strafsekunden, wurde aber immer noch 10. im Einzel. Manfred WINKLER der EKO Cobra Linz fand ab und zu auch nicht den ganz richtigen Draht zwischen schnell, konzentriert und präzise, konnte sich als 12. aber auch noch ganz weit vorne im Spitzenfeld klassifizieren.

Die 4 Schützen von links: Simon Heiligenbrunner, Andreas Oriol, Manfred Winkler und Reinhard Handl

In der Teamwertung belegte das TEAM AUSTRIA – Andreas ORIOL und Manfred WINKLER – den undankbaren 4. Platz hinter China 1, Weißrussland und Tschechien.

Team Austria: Andreas Oriol und Manfred Winkler – Platz 4

Die österreichische Delegation hat sich somit hervorragend geschlagen; bei insgesamt 73 Nationen und 256 Starter/Innen alle 4 Schützen unter die ersten 12 zu bringen, ist eine ausgezeichnete Bilanz und macht mich stolz; ein 4. Platz in der Mannschaft tut immer etwas weh, aber bei etwa 40 Mannschaften sich unter den Top 4 zu klassifizieren ist ebenfalls eine mehr als besondere Leistung.

Der 3. Platz von Andi ORIOL im Einzel zählt ja fast wie eine Goldene, wurden doch alle Meistertitel an die Chinesen vergeben; wenn  in einer Klasse 2 Chinesen am Start waren, so waren die ersten beiden Plätze schon vergeben und so wurde Andi von einigen Gratulanten als „The Real Champion“ bezeichnet.  Ich möchte die Leistungen der chinesischen Delegation nicht schmälern, dass der Ablauf der Parcours aber offensichtlich im Vorfeld schon sehr ausgiebig trainiert worden sein dürfte, war augenscheinlich.

Andi`s 3. Platz strahlte wie eine Goldene

Andi konnte auch international ganz herausragende Schützen hinter sich lassen; so wurde der ungarische  Polizeiweltmeister von 2016 und Top-IPSC-Schütze Gyorgi BATKY 5.,  der tschechische IPSC-Spitzenschütze und letztjährige Polizeiweltmeister Miroslav ZAPETAL 7. und der regierende Weltmeister in der IPSC Open-Division, Jorge BALLESTEROS aus Spanien, nur 16.

Was gab es sonst noch bei der WM in China ?

Die Eröffnungszeremonie der Weltmeisterschaft war gigantisch, bombastisch und so wie es der USIP-Präsident bezeichnet hatte, wohl nur mit der Eröffnung einer Olympiade vergleichbar; die Chinesen hatten eine Multi-Media-Show aufgeboten, wo zuerst die mehrere tausend Jahre alte Kultur der Chinesen dargeboten wurde und sich anschließend alle Abteilungen der Polizei mit hunderten Teilnehmern präsentierten; eine derartig gigantische Show hat wohl noch keiner von uns je gesehen. Die Chinesen hatten fast alles vom Hubschrauber bis zu den Drohnen aufgeboten.

Eröffnungsfeier
Präsentation der Polizei bei der Eröffnungsfeier

Die Organisation, der Ablauf und das Rundherum waren perfekt; alles klappte wie am Schnürchen.  Ganze Hundertschaften von Polizisten arbeiteten am Gelingen der Veranstaltung mit. Ein Toppen dieser Veranstaltung wird nicht möglich sein; die Latte für zukünftige USIP-Weltmeisterschaften wurde in schier unerreichbare Höhen gelegt.

Auch das Sightseeing-Programm in der 14-Millionen Stadt in Südchina kam nicht zu kurz und so sind wir am 20. November 2018 abends mit vielen Eindrücken und gesund wieder in Wien-Schwechat gelandet.

Guangzhou – New Town

Zum Abschluss möchte ich mich auch beim Dienstgeber für die Entsendung und das Vertrauen, das in uns gesteckt wurde, bedanken. Die österreichische Delegation hat sich hervorragend präsentiert und wieder einmal gezeigt, dass das kleine Österreich im Schießsport eine „Weltmacht“ ist; wir freuen uns jetzt schon auf die nächste USIP Weltmeisterschaft in Milano/Italien und dürfen hoffentlich wieder die Fahnen Österreichs vertreten !

Im Anschluss noch einige Fotos:

2n USIP World Police Service Pistol Shooting Championship

Simon HEILIGENBRUNNER rast um die Ecke

Reinhard Handl und Manfred Winkler

Team Österreich wartet auf die Siegerehrung

Manfred Winkler

Mag. Manfred Riegler BA MA – Delegationsleiter

Paul Pirchner, Fachreferent ÖPolSV Großkaliberschießen PPS – Coach, Administrator und Verfasser des Artikels

Andi Oriol und Simon Heiligenbrunner


Andreas Oriol und Manfred Winkler – Team Austria bei Stage 4

Eröffnungszeremonie


Werbung