Radsport

Cyclocross-Neuling mit erfreulichem Saisonstart

Für Romana Slavinec ist das Ende der Straßensaison gleichzeitig der Startschuss zur Cyclocross-Saison 2022/23.

Romana Slavinec im Gelände…

Laut ihrer Auskunft heißt Cyclocross (CX) oder Querfeldein  – Spaß im Schlamm und Dreck, ein 2 bis 3 km langer Rundkurs mit engen Kurven im Gelände, bergauf/bergab – wo technisches Fahrvermögen und dergleichen gefragt sind – und das alles unter höchster körperlicher Belastung – über eine Renndauer von 60 Minuten (Herren) bzw. 40 Minuten (Damen). 

Genau das habe sie sich von der erstmaligen Teilnahme am Cyclocross erhofft – und die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. 

Noch dazu im Winter ist dies eine super Ergänzung zum üblichen  Rollen- und Alternativtraining, um im Frühjahr topfit in die Saison starten zu können. Durch die sehr intensiven Rennen bleibt man in einem gewissen Rennmodus. 

Romana jedenfalls beendete am 1. Oktober 2022 die Straßensaison mit einem zweiten Rang beim Kriterium in Klein Engersdorf.

Zum CX-Saisonstart landete Romana (rechts) gleich auf Platz 3.

Am 16. Oktober startete sie in Langenzersdorf  in die CX-Saison mit einem 3. Platz und konnte auch am 22. Oktober in Wien und am 30. Oktober in St. Pölten (Kaiserwald) diese sehr gute Platzierung bestätigen. 

In Kreuttal am 1. November erreichte Romana  den 5. Platz, am 19. November in Straßwalchen den 3. und am 20. November den 4. Platz. 

Vorrangiges Ziel ist für Romana bei der Österreichischen Meisterschaft im Jänner „Crossfit“ zu sein, um dort gut abschneiden zu können. 

Wir wünschen ihr dazu jedenfalls eine erfolgreiche und vor allem unfallfreie Saison.

Text: Peter Pichler

Fotos: Hannes Tanzer

Marc Obkircher tritt zurück

Der BMI Radsportler war seit dem 1. Jänner 2012 im Kader.

Marc ist im Alter von zehn Jahren aufgrund der sportbegeisterten Eltern zum Radsport gekommen und hat mit elf Jahren sein erstes Radrennen in der Klasse U13 bestritten. 

Sein erster Einsatz für das Nationalteam.

Mit dem Besuch des Sport Borg in Innsbruck konnte der Sport und die schulische Ausbildung optimal verbunden werden. Aufgrund der nationalen Erfolge im Nachwuchsbereich durfte er mit dem Österreichischen Nationalteam internationale Radrennen im Ausland bestreiten. 

Im Elite Bereich wurde Marc vom Cycling Team Tirol (Continental Team – Klasse Elite/U23) verpflichtet und er konnte sehr schöne Radsportmomente miterleben und gemeinsame (mannschaftliche) Erfolge feiern. Highlights waren dort die Teilnahmen an den großen Radrundfahrten wie Österreich-Rundfahrt, Polen-Rundfahrt und der Slowenien-Rundfahrt.  

Der für ihn persönlich wertvollste Erfolgsmoment bei den Profis war der 7. Platz beim Internationalen Radklassiker „Rund um den Henninger Turm“ im Jahre 2013, wo er wertvolle UCI-Weltcuppunkte erzielen konnte. 

Marc bei den europäischen Polizeimeisterschaften 2012 in Frankreich.

Der größte Erfolg für den Österreichischen BMI Radkader war im Jahr 2012 der 4. Rang beim Einzelzeitfahren und die Goldmedaille in der Mannschaftswertung. Im Jahr 2019 wurde er Polizei-Bundesmeister im Straßenrennen.

Nach 20 Jahren Radrennsport und 10 Jahren im Polizei Leistungssportkader wird es nun Zeit Abschied vom aktiven Radrennsport zu nehmen und er denkt laut seinen Aussagen sehr gerne an diese Zeit zurück.

Das Berufliche, den Radsport und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen, wurde in letzter Zeit immer schwieriger, da sich auch seine Prioritäten verschoben haben. Dies ändert jedoch nichts an seiner Leidenschaft zum Radsport.

Er ist sehr dankbar für die Zeit im Polizeisportkader und er möchte sich auf diesem Wege bei allen Verantwortlichen für die Unterstützung und die Organisation bedanken. 

Ein spezieller Dank auch an die Teamkollegen für die schöne, gemeinsame Zeit und für die schönen, unvergesslichen Momente.

Text: Peter Pichler

Fotos: privat

Cyclocross-Cup 2022 – Christoph Mick in Führung

Für die heimischen „Crosser“ wird diesen Winter wieder der „Austrian Cyclocross-Cup“ ausgetragen.

Eilt der Konkurrenz davon: Christoph Mick.

Bei dieser Serie gibt es insgesamt 14 Rennen, wobei die besten acht Ergebnisse für die Gesamtwertung herangezogen werden. 

Für den BMI-Radkader ist Christoph Mick (RC Bike Next 125 Hackl-Lebensräume) bereits seit vielen Jahren, neben den Straßen- und Mountainbike-Rennen, aktiv und erfolgreich in der Szene vertreten. 

Mit vollster Konzentration in die Kurve…

Begonnen hat die diesjährige Saison mit dem Eröffnungsrennen in Maria Enzersdorf bei eher untypischen, ziemlich warmen Bedingungen. Christoph konnte sich nach dem Start sofort an die Spitze setzen und sich bei den engen Kurven mit dem Staatsmeister Daniel Federspiel und Philipp Heigl vom restlichen Feld absetzen. Aufgrund einer vom Frühjahr verschleppten Verletzung an seiner Hand konnte er den Lenker nicht zu 100 Prozent halten und stürzte in einer Kurve. Eine durch den Sturz erneute Bänderverletzung im Daumen zwangen ihn das Rennen locker ausrollen zu lassen und er schaffte trotzdem den 4. Gesamtrang – in seiner Altersklasse bedeutete dies den Sieg.

Laufpassage über die Hürden.

Aufgrund der Verletzung musste er die beiden Rennen in Ternitz und Pernitz auslassen.

Der nächste Programmpunkt war das Rennen in Langenzersdorf. Dort wies das Streckenprofil großteils eine flache Strecke mit vielen drehenden Kurven auf. Christoph musste aufgrund der fehlenden Cup-Punkte ziemlich weit hinten starten, er erwischte jedoch wie immer einen perfekten Start und konnte sich mit einem seiner Kontrahenten absetzen und an der Spitze behaupten.  Erst in der letzten Runde musste er sich geschlagen geben und konnte den ausgezeichneten 2. Rang – Sieg in der Altersklasse – erreichen. 

Mick feiert einen ungefährdeten Sieg.

Am Wochenende darauf standen die beiden Rennen in der Wiener Donaustadt am Programm und Christoph als „Echter Wiener“ war natürlich doppelt motiviert. Quasi in seinem „Wohnzimmer“ zog er gleich nach dem Start mit einem weiteren Fahrer vorne weg. Er musste jedoch nach Mitte des Rennens aufgrund des harten und schlagigen Untergrundes und daher anhaltender Schmerzen im Daumen seine Kontrahenten ziehen lassen und konnte noch den dritten Rang retten (1. Rang in seiner Altersklasse).

Am nächsten Tag wurde es für Mick zu einer reinen Qual und es war nur der fünfte Rang (Sieg in der Altersklasse) drinnen.

Bereits eine Woche später stand das Rennen in St. Pölten (Kaiserwald) am Programm und Mick hat an dieses Rennen sehr gute Erinnerungen, da er dort in den letzten Jahren einige Male gewinnen konnte. 

Der Kurs wies viele lange Geraden auf Schotter auf, was Christoph und seiner Hand sehr entgegengekommen ist. Auch die beiden kurzen Anstiege auf der Runde, wo explosive Antritte entscheidend waren, spielten Christoph in die Karten und er konnte sich bereits nach Rennhälfte absetzen und einen souveränen und ungefährdeten Sieg nach Hause fahren.     

In der Gesamtwertung liegt Mick (hier rechts auf Platz 2) in Führung.

Zwei Tage später (Allerheiligen) gab es im Kreuttal den nächsten Bewerb und diesmal war es nass und rutschig. Wie die Rennen zuvor konnte sich Mick mit einem Fahrer lösen, aufgrund eines kleinen Ausrutschers musste er diesen ziehen lassen und kam als sehr guter Zweiter ins Ziel. 

Am 19. und 20. November war Mick wiederum in Straßwalchen und Wels am Start und konnte dort den 2. und den 3. Rang erreichen.

Im Hinblick auf die Gesamtwertung liegt Mick, trotz der beiden fehlenden Rennen auf dem ausgezeichneten 1. Platz inmitten lauter Profis – in seiner Altersklasse führt er die Gesamtwertung überlegen an und dürfte bereits jetzt nicht mehr einzuholen sein. 

Wir wünschen Christoph jedenfalls weiterhin eine erfolgreiche und unfallfreie Saison.

Text: Peter Pichler

Fotos: privat

Spitzenplatz für Nathalie Schwarz beim Vasaloppet-Triple in Schweden

Nathalie Schwarz war im März beim Vasaloppet am Start.

Nachdem ich Anfang März dieses Jahres beim berühmtesten Langlaufrennen der Welt, dem Vasaloppet in Schweden, über 90 Kilometer teilnahm und dort erfuhr, dass es auch im Sommer Wettkämpfe gibt, wobei die fast idente Strecke von Sälen nach Mora mit dem Mountainbike bzw. im Laufen zurückgelegt werden muss, entschied ich mich, dieser Herausforderung zu stellen und beim Vasaloppet-Triple (Langlaufen, Mountainbiken, Laufen) teilzunehmen.

Ich startete im April mit den Vorbereitungen, wobei ich den Fokus vermehrt auf das Laufen als auf das Biken legte.

Schwarz musste beim Vasaloppet-Triple im August 90 km laufen.

Am 11. August 2022 reiste ich dann nach Schweden. Das Mountainbike-Rennen über eine Distanz von 94 km fand am 13. August statt. Mit einer Endzeit von 3:38 Stunden überquerte ich als gesamt 12. bei über 800 Starterinnen die Ziellinie. Ich war sehr zufrieden mit dieser Leistung, denn für mich war es überhaupt das erste Mountainbike-Rennen in meiner Sportlerkarriere.

Die Polizistin lief auf den hervorragenden sechsten Gesamtrang.

Am Samstag darauf, den 20. August, stand schlussendlich der für mich härteste Bewerb dieses Vasaloppet-Triple auf dem Programm – 90 km laufen.

Der Start erfolgte um 5 Uhr in der Früh bei leichtem Nieselregen. Die Strecke verlief fast ausschließlich auf unbefestigten Wegen durch die Wälder von Schweden, auf schmalen Trails sowie durch Sumpfgebiete – landschaftlich ein einmaliges Erlebnis. 

Das erste Drittel verlief für mich äußerst zufriedenstellend. Danach wurde es zunehmend anstrengender, was aber auch zu erwarten war, da ich im Training nie weiter als 32 km lief. Ab diesem Zeitpunkt bildeten sich auch vermehrt Blasen auf meinen Füßen bzw. Zehen. Aber ich hatte immer das Ziel im Kopf, das Rennen zu beenden.

Nach exakt elf Stunden erreichte ich dann das Ziel in Mora. Trotz der enormen Anstrengung war es ein einmaliges Erlebnis. 

Noch dazu kam, dass ich in der Gesamtwertung des Vasaloppet-Triple den für mich sehr erfreulichen sechsten Gesamtrang bei den Damen erreichte.

Text und Fotos: Nathalie Schwarz

Dachstein Gletscher – Vorbereitung auf die kommende Saison

Nach fast zweijähriger coronabedingter Pause konnte im Oktober wieder ein Trainingskurs des Leistungssports Ski nordisch am Dachstein Gletscher abgehalten werden.

Perfekte Herbstbedingungen am Schnee.

Dank des kurzen Wintereinbruches im September stand einem intensiven Schneetraining bei traumhaften Bedingungen nichts im Wege. Wie jedes Jahr zu dieser Zeit treffen sich alle namhaften mitteleuropäischen Nationen, um auf zwei getrennten Loipen die erforderlichen Kilometer abzuspulen. Wie in den Medien bereits verkündet, ist der Gletscherstand massiv zurückgegangen, so der Betrieb der Lifte für das alpine Training wahrscheinlich komplett eingestellt werden muss. Es wird darauf hinauslaufen, dass der Dachstein Gletscher den  Nordischen Sportlern vorbehalten sein wird. 

Imitation und Sprungschritte im Sprunglaufstadion.

Neben dem Training am Gletscher bietet die Ramsau natürlich gerade für den nordischen Sport die perfekten Voraussetzungen, um sich für die kommenden Aufgaben vorzubereiten. So wurde zusätzlich am Rollschi, im Gelände und in der Kraftkammer trainiert. 

Der Pensionist im Kreise seines Kaders.

Aufgrund von vier Wechseln der Biathlon Spitzensportler Julian und Tobias Eberhard, Nikolaus Leitinger und Christina Rieder in den Leistungssport, ist der Kader nun auf 15 Topathleten angewachsen. Bestens eingegliedert in die Mannschaft versucht das Trainerteam die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Sportler unter einen Hut zu bringen und dabei den notwendigen Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. 

So war es auch ein perfekter Moment in diesem Kreise, den im Juni in Pension entlassenen Polizei-Langzeitsportler und Trainer Anton Lengauer-Stockner noch einmal zu würdigen und diverse „alte Geschichten“ aus seinem Sportlerleben erzählen zu lassen.

Es wird natürlich gehofft, dass die kommende Wettkampfsaison in gewohnter Weise nach dem Motto „ein Winter wie damals“ abgehalten werden kann. Mit der Durchführung weiterer zwei Trainingskurse in Obertilliach und Ramsau wird der Kader bestens vorbereitet und mit hoher Erwartung in den Winter starten.

Text und Fotos: Enrico Rieder

Saisonstart in den Schnee

Vom 2. bis 4. November 2022 trafen sich die alpinen Polizei-LeistungssportlerInnen samt Trainerstab in Hintertux im Zillertal.

Der Polzei-Leistungskader alpin am Hintertuxer Gletscher.

Bei diesem ersten Skitrainingskurs des Polizeileistungskaders alpin für die Polizeiskirennsaison 2022/23 wurde ein spezielles Skitechnikprogramm am Hintertuxer Gletscher absolviert. 

Mannschaftsfoto mit Hotelchefin Frieda vor dem Hotel Klausnerhof.

Wie in den Jahren vor der Pandemie war die Polizei-Skimannschaft im „Hotel Klausnerhof“ in Hintertux untergebracht. Die Unterkunft und Verpflegung waren wie immer top. Dafür sorgte die Hotelchefin „Frieda“ persönlich mit ihrem freundlichen Team.

Kastensprung von Werner Franz.

Auch der Kraft- und Gymnastikraum wurde von den PolizeiskisportlerInnen voll ausgenützt.

Auch die Skitechnik wurde perfektioniert…

Die Vorbereitungen für diese Skisaison stehen eindeutig im Fokus auf die „Polizei-Ski–Europameisterschaften“, welche Anfang März 2023 in Österreich stattfinden werden. 

Zusätzlich wurden verschiedene Materialtests (Ski- und Skischuhtests) von den AthletInnen durchgeführt, da Covid 19 bedingt in den letzten beiden Skirennsaisonen (2020/21 und 2021/22) keine gemeinsamen Materialtests erledigt werden konnten.

Auch ein Cooper-Test stand auf dem Programm.

Gleichzeitig fanden die Konditionsüberprüfungen der Polizei-LeistungssportlerInnen statt. Diese Leistungstests, die den KursteilnehmerInnen alles abverlangten, wurden in der neuen hochmodernen Sporthalle in Vomp/Stans (Sportmotorische Tests) sowie auf einer 400m-Laufbahn (Ausdauertest) im Sportstadion „Silberstadt Arena“ in Schwaz in Tirol durchgeführt. 

Ein zufriedenes Führungsteam…

Die Fachreferenten und der Trainerstab des Polizei Leistungskaders alpin haben ein detailliertes Aufbauprogramm erarbeitet, das versucht wird, bestmöglich in der kommenden Saison umzusetzen. 

Die Trainer erarbeiteten ein detailliertes Aufbauprogramm.

Schließlich gilt es den „Polizei-Ski-Europameisterschaftstitel“ zu verteidigen, was auch das erklärte Saisonziel darstellt. 

Es folgen ab Dezember 2022 in der kommenden Wintersaison zahlreiche Skirennen, bei welchen sich die SkirennläuferInnen intern für die Polizei-Europameisterschaften qualifizieren können.

Zusammengefasst waren die erbrachten Leistungen der AthletInnen bei diesem Trainingskurs sehr zufriedenstellend. Darüber hinaus hofft man, dass die gesamte Mannschaft weiterhin verletzungsfrei das geplante Training fortführen kann und die Skirennsaison 2022/23 erfolgreich verläuft.

Ski Heil!

Text und Fotos: Thomas Tönig

Europameister Mario Bauernfeind im Interview

Von einem Wunder zu sprechen, wäre zu hoch gegriffen, eine kleine Sensation ist es aber allemal, für die Mario Bauernfeind von der Landespolizeidirektion Wien bei der Europäischen Polizeimeisterschaft (EPM) im Marathonlauf Anfang Oktober im niederländischen Eindhoven gesorgt hat. 28 Jahre nach Helmut Schmuck, der heute als Trainer unseres Laufkaders fungiert, lief der 31-jährige Wiener zum Sieg und sicherte sich damit den Titel „Polizei-Europameister“. Mit ÖPolSV-Pressereferenten Michael Babl sprach der bald zweifache Familienvater über das Rennen seines Lebens, die dazugehörenden Entbehrungen, seine Familie und welchen Stellenwert für ihn der Zusammenhalt im österreichischen Polizei-Nationalteam hat.

 

Mario Bauernfeind auf dem Weg zu Gold. c) Stumptner

Polizei Sport Magazin: Lieber Mario, herzliche Gratulation zum Polizei-Europameistertitel. Mittlerweile sind seit Eindhoven einige Tage vergangen. Hattest du schon Zeit, das Ganze zu realisieren?

Mario Bauernfeind: Vielen Dank, eine Woche nach dem Lauf beginnt man langsam zu realisieren, was man geschafft hat. Ich bin es die Tage nach dem Marathon etwas ruhiger angegangen, um mich nach der sehr intensiven und anstrengenden Vorbereitung mental und körperlich gut zu erholen. Bis man das Geschehene komplett realisiert hat, wird es jedoch noch ein paar Tage brauchen.

Nimm uns doch bitte einmal gedanklich mit in das Rennen. Lief es von Anfang wie du es dir geplant hattest?

Das Rennen verlief so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Alles war angerichtet für einen guten und schnellen Marathon. Die Bedingungen waren mit 10 Grad und leichtem Wind nahezu perfekt und ich fühlte mich gut. Vom ersten Meter an spürte ich, dass ich gute Beine habe und ich musste mich speziell auf den ersten 21 Kilometern bremsen. Dadurch konnte ich sehr viel Energie für die zweite Rennhälfte sparen, sodass ich diese sogar schneller laufen konnte. Die vielen Zuschauer entlang der Strecke machten eine wahnsinnig gute Stimmung, die mir die letzten Kilometer kurzweilig vorkommen ließen. Der Zielsprint war zwar sehr hart, aber das Wissen, gerade Polizei-Europameister geworden zu sein, tröstete über die Schmerzen hinweg.

Schwerer Umhang – Mario holte Gold und Silber. c) Stumptner

Wann hast du realisiert, dass dich niemand mehr einholen wird und du dir in einer Disziplin, die nicht gerade eine Österreicher-Domäne ist, den Titel holen wirst?

Ich hatte während des gesamten Rennens keinerlei Informationen, wie groß mein Vorsprung auf die Verfolger war. Ein paar Kilometer vor dem Ziel schaute ich auf einer langen Geraden kurz zurück, um Ausschau zu halten. Als ich keine Verfolger gesehen habe, wusste ich schon, dass es reichen würde. Helmut Schmuck hat vor 28 Jahren in Florenz zuletzt den Marathon bei den Polizei-Europameisterschaften für Österreich gewonnen. Dass ich in die Fußstapfen eines solch großartigen Sportlers treten darf, macht mich sehr stolz, weil er als Trainer und Betreuer auch in Eindhoven war und mich an der Strecke anfeuerte.

Wie man hört, waren die anderen Nationen vom starken Teamspirit der österreichischen Mannschaft bei der EPM beeindruckt. Heli Schmuck hast du ja als Teil dieses Teams schon angesprochen. Auch wenn man unsere Equipe beobachtet, wirkt es eher als würdet ihr in einer Teamsportart starten und nicht in einer klassischen Einzeldisziplin wie dem Marathonlauf. Von bitterer Rivalität also keine Spur. Wie kommt es dazu und welche Rolle spielen deine Kollegen für dich?

Wir sind eine eingeschworene Gruppe, die sich schon seit mehreren Jahren kennt. Bei den gemeinsamen Trainingskursen wachsen wir immer mehr zusammen und verbringen eine richtig coole Zeit. Aber nicht nur in den Trainingswochen, sondern auch privat unternehmen wir viel zusammen. Silvesterfeiern, Trainingslager in Portugal, Staatsmeisterschaftsläufe, Konzertbesuche oder auch Hochzeitsfeiern sind in den letzten Jahren nur einige wenige Aktivitäten gewesen, die wir gemeinsam machten. Dabei steht immer der Spaß im Vordergrund. Meine Lachmuskeln werden in dieser Zeit genauso trainiert, wie mein gesamter Körper bei den harten Trainingseinheiten. Ich glaube, dass eine Rivalität innerhalb des Laufkaders die individuelle Leistung schädigen würde. Als Athlet wünscht man sich immer gute Trainingspartner an seiner Seite, um sich bei den Laufeinheiten gemeinsam zu Höchstleistungen zu pushen. Weiters kann man in den Gesprächen mit anderen Top-Athleten, wie sie bei uns im Laufkader sind, für sich selbst auch sehr viel mitnehmen und lernen. Dass wir in Eindhoven für Österreich die Silbermedaille in der Teamwertung holen konnten, ist unglaublich und das Ergebnis jahrelanger Teamarbeit.

Diesen Teamgeist kann man auch anhand eurer Social-Media-Postings deutlich erkennen und es macht einfach Freude euch zu folgen. Via Instagram hast du deine Follower auch an der intensiven Vorbereitung für die EPM teilhaben lassen. Welche Entbehrungen musstest du und deine Familie dabei in Kauf nehmen?

Die Vorbereitung war wirklich sehr intensiv, in allen Belangen. Dienstlich waren extrem viele Überstunden zu leisten, weil die Vorbereitung in die Haupturlaubszeit von Juli bis September fiel. Zahlreiche Nacht- und 24-Stunden-Dienste waren nötig, um den Dienstbetrieb in der Verkehrsleitzentrale der Landesverkehrsabteilung in Wien aufrecht zu halten. Großen Dank an dieser Stelle auch an meine Kollegen, die mich dabei unterstützten, meine Trainings auch in der Dienstzeit unterzubringen. Meine Familie litt natürlich unter meiner Abwesenheit. Ich muss mich auch gleich bei meinen Eltern und Schwiegereltern bedanken, die meine Frau Jasmin und mich bei der Betreuung unserer gemeinsamen Tochter Leonie unterstützten. Dass meine Frau derzeit schwanger ist und wir im Februar unser zweites Kind erwarten, machte die Vorbereitung sicherlich nicht einfacher. Jeder Tag wurde von 6 bis 20 Uhr exakt durchgeplant, dass ich meine Trainingseinheiten zur bestmöglichen Zeit abhalten konnte. Die Entbehrungen, die ich in den 14 Wochen hatte, kann sich wohl jeder vorstellen. Aber genau das trieb mich in der gesamten Vorbereitung voran. Ich wollte meiner Familie durch meine Leistungen etwas zurückgeben. Sie sollten sehen, dass mit diesem Aufwand, den ich betreibe, gute Bestleistungen und zur Krönung auch der Europameisterschaftstitel im Marathon möglich sind.

Das ist dir definitiv gelungen, deine Familie kann richtig stolz auf dich sein. Nach deinem Sieg über die Halbmarathon-Distanz beim Vienna City Marathon stiegen natürlich die Erwartungen an dich – vermutlich auch von dir selbst. Wie hast du es geschafft, dem Druck standzuhalten?

Mit Druck kann ich mittlerweile sehr gut umgehen und verspüre ihn wenig bis gar nicht mehr. In den letzten Wochen vor dem Marathon war ich so locker wie noch nie, weil ich gewusst habe, dass die Laufform passt und ich am 9. Oktober 2022 in Eindhoven einfach das machen darf, was ich liebe. Das Vertrauen, dass mich mein Körper bei wichtigen Wettkämpfen nicht im Stich lässt, lässt diese Lockerheit zu. Ich habe in meiner Karriere mehr erreicht als ich mir vor 10 Jahren jemals erträumen konnte. Alles was in den nächsten Jahren noch kommt, ist ein großer Bonus und ich könnte jederzeit ohne schlechtem Gewissen in Laufpension gehen. Der Spaß am Sport und an der Bewegung und die damit erreichte Anerkennung von Familie, Freunde und über Social Media treiben mich voran, diese Anstrengungen jeden Tag auf mich zu nehmen.

In die Laufpension entlassen wir dich so schnell aber nicht. 😉 Das Saisonhighlight hast du nun erfolgreich hinter dich gebracht. Was steht heuer noch am Plan?

Ich möchte meine aktuelle Laufform noch nutzen, um den einen oder anderen Wettkampf zu laufen, obwohl ich meinen Körper die letzten 14 Wochen richtig geschunden habe. Die Goldmedaille in der Teamwertung mit meinen Vereinskollegen aus Wien bei den Halbmarathon-Staatsmeisterschaften in Linz am 23. Oktober ist heuer noch ein großes Ziel. Wenn ich danach noch Energie habe, werde ich eine kurze Crosslaufsaison einstreuen.

Wenn man deine Wettkämpfe verfolgt, wird schnell klar, dass die Leistungskurve stark nach oben zeigt und der Zenit noch nicht erreicht ist. Ein wenig vorweggenommen hast du ja die Antwort auf unsere letzte Frage schon. Aber noch einmal konkret gefragt: Welche Ziele hast du dir für die kommende Saison und für die langfristige Zukunft noch gesetzt?

Die Saisonplanung für die nächste Saison habe ich noch nicht begonnen. Die letzten Ergebnisse haben definitiv die Ziele für die kommende Saison nach oben geschraubt. Vieles wird davon abhängig sein, ob ich zusätzliche Dienstfreistellungen bekomme und wie sich die Geburt meines zweiten Kindes im Februar auf das Training auswirkt. Das Ziel für mich kann nur sein, meine persönlichen Bestleistungen ständig zu verbessern. Die Erfolge und Siege kommen dann ganz von alleine.

Herzlichen Dank für das nette Interview und weiterhin Alles Gute!

 

Mario Bauernfeind holt bei EPM sensationell Gold

In der Zeit von 7. bis 10. Oktober 2022  fanden in Eindhoven/Niederlande die 8. USPE Polizei-Europameisterschaften im Marathon statt. Während sich Mario Bauernfeind zum Europameister krönte, gab es für Österreich in der Teamwertung Silber.

Die Athleten mit Trainer Heli Schmuck kurz vor dem Start. c) Poll

Mit insgesamt sechs Athleten – Jürgen Aigner (OÖ), Philipp Barbi (NÖ), Mario Bauernfeind (Wien), Christian Nagele (Salzburg), Markus Hartinger und Michael Kügerl (beide Steiermark) – ging Österreich in Eindhoven an den Start. Insgesamt liefen 144 Athletinnen und Athleten aus 22 Nationen um die begehrten Plätze.

Bauernfeind und Hartinger im Gleichschritt. c) Menno Binsma

Der Rundkurs im Stadtgebiet von Eindhoven war sehr flach und wies keinerlei nennenswerte Steigungen auf. Das Wetter am Renntag war sonnig mit kühlen Temperaturen um die 10 bis 12 Grad – somit ideale Laufbedingungen.

Europameister Mario Bauernfeind im Ziel. c) Menno Binsma

Mit einer herausragenden Leistung holte sich Mario Bauernfeind in 2:15:34 Stunden die Goldmedaille. In der Mannschaftswertung der Herren siegte Frankreich vor Österreich und Deutschland. Die Silbermedaille in dieser Wertung ist eine Premiere. Bei den Damen siegte die Schweizerin Fabienne Vonlanthen in einer Zeit von 2:41:36 Stunden.

Champion Mario Bauernfeind bei der Siegerehrung. c) Poll

Die Wettkampfergebnisse sind auf der Internetseite der USPE unter www.uspe.org abrufbar.

In der Teamwertung gab es für Österreich Silber. c) Poll

Die Ergebnisse der österreichischen Teilnehmer:

Mario Bauernfeind – 2:15:34 – Platz 1

Markus Hartinger – 2:21:36 – Platz 5

Christian Nagele – 2:28:20 – Platz 13

Philipp Barbi – 2:35:09 – Platz 33

Jürgen Aigner – 2:37:07 – Platz 41

Michael Kügerl – 2:39:57 – Platz 47

 

Delegationsleiterin Karoline Stumptner mit dem Team. c) Poll

Das österreichische Team gab somit einmal mehr sowohl sportlich als auch außerhalb der Rennstrecke eine sehr gute Visitenkarte für die österreichische Polizei ab. Die gesamte Organisation durch den Veranstalter war hervorragend.

 

Text: Markus Poll

 

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