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Gerald Reiter – IPSC-Weltmeister im Revolverschießen

Vom 27. November bis 3. Dezember 2022 fand in Pattaya, Thailand, die 19. IPSC-Weltmeisterschaft im Schießen statt –  die IPSC Handgun World Shoot XIX.

Reiter und Lang mit indonesischen WM-Teilnehmern.

Ursprünglich hätte die weltweit größte Schießsportveranstaltung im dynamischen Schießsport – früher hat man es als Combatschießen bezeichnet – bereits im Jahr 2020 stattfinden sollen, musste aber aufgrund der Pandemie zweimal verschoben werden.

Jürgen Stranz noch entspannt vor dem Wettkampf.

Insgesamt haben sich über 1500 SchützInnen aus 76 Nationen der Level V-Veranstaltung – die höchste Wertigkeit im IPSC-Schießsport – gestellt. Die

Reiter beim Walk Through – Besichtigung einer Stage.

TeilnehmerInnen gingen in insgesamt sieben unterschiedlichen Waffenkategorien (Divisionen) an den Start. Das österreichische Nationalteam bestand aus einer Schützin und 14 Schützen. Drei Kadermitglieder des BMI-Leistungskaders nahmen die weite Anreise auf sich und stellten sich dem Wettkampf, nämlich der regierende Vize-Weltmeister und zweifache Europameister in der Division Revolver, Gerald Reiter, sein Landsmann aus dem Burgenland, Johann Lang, ebenfalls in der Division Revolver und Jürgen Stranz, einer der Top-Standardschützen der letzten 20 Jahre. Mit dabei war auch Günter Weber, Gründungsmitglied des BMI-Leistungskaders und langjähriger äußerst erfolgreicher Open-Schütze.

Schussabgabe von einem Büffel: Gerald Reiter.

Der Veranstalter errichtete für die Weltmeisterschaft insgesamt 30 Stages mit einer Mindestschussanzahl von 550 Schuss. Die Veranstaltung wurde in sechs Areas unterteilt, sodass jeder Teilnehmer an fünf Tagen jeweils sechs Stages zu absolvieren hatte. Die Stages selbst waren sehr detailreich und liebevoll verziert, zum Teil fast verschnörkelt. Das Stage-Design war an die Geschichte, die Mythen und die thailändischen Festlichkeiten angepasst. Die im asiatischen Raum üblichen beweglichen Targets, die in Europa und in den USA eher unbekannt sind, stellten eine besondere Herausforderung dar. Technisch und taktisch perfekt in Szene gesetzte Targets, im Wechsel mit Stahlzielen wie Plates und Popper sowie mit Non Shoot und Hardcover verkleinerte Scheiben, in Entfernungen bis zu 50 Metern, ließen den Schwierigkeitsgrad entsprechend ansteigen und sorgten dafür, dass der Parcour einer Weltmeisterschaft würdig war, denn schließlich sollen sich ja die Besten durchsetzen.

Günter Weber beim Einschießen.

Am 27. November 2022 ging es dann endlich los. Gerald Reiter, der regierende Vize-Weltmeister – die letzte WM fand 2017 in Frankreich statt – hatte natürlich insgeheim ein Ziel: Ganz oben zu stehen! Nach zwei Europameistertiteln und als Vizeweltmeister wäre der Titel des World Champion natürlich die Krönung für den über 50-jährigen Burgenländer, der durch die zweimalige Verschiebung in die Seniorenklasse aufrückte. Die über fünfjähjrige Vorbereitungszeit schien unendlich lang gewesen zu sein und Gerald startete gut in den Wettkampf und setzte sich bereits am ersten Tag mit einem fehlerfreien Schießen an die Spitze des Starterfeldes in der Kategorie Revolver. In den folgenden drei Tagen lief es wie am Schnürchen und Gerald konnte seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen. Mit einem Vorsprung von über 100 Punkten ging es in den fünften und letzten Tag. Am Tag 5 galt es, im Match zu bleiben, ja keinen Sicherheitsverstoß zu begehen, weil dies bedeutet eine sofortige Disqualifikation. Andererseits aber auch kein Waffengebrechen zu haben, denn auch dies kann einen weit zurückwerfen. Mit all seiner Erfahrung und Routine aus hunderten, ja eher tausenden Wettkämpfen, beendete Gerald Reiter souverän den letzten Tag und krönte sich zum Weltmeister in der Division Revolver. Da er aber bereits in der Seniorenklasse an den Start ging, war er als bester Schütze im Starterfeld nicht nur IPSC-Weltmeister im Overall, sondern gleichzeitig auch Weltmeister in der Seniorenklasse bei den Revolverschützen.

Johann Lang beim Vorbereiten auf den Wettbewerb.

Johann Lang, ebenfalls bereits in der Seniorenklasse am Start, belegte im Sog seines Kollegen den ausgezeichneten fünften Platz in der Division Revolver.

World Champion 2022 in der Division Revolver – Gerald Reiter.

Gemeinsam mit dem Vorarlberger Markus Pack stellten Gerald und Johann auch das österreichische Revolverteam. Leider hatte der vierte Teilnehmer des österreichischen Revolverteams seine Teilnahme abgesagt, sodass das Revolverteam anstatt 4 mit nur 3 Schützen an den Start gehen musste, wobei jeweils die besten 3 für die Teamwertung gezählt werden. Fehlt ein Schütze so wie in diesem Fall, so muss bei den anderen drei Startern alles funktionieren, da der Streicher fehlt. Die drei Revolverhelden ließen aber nichts anbrennen und fuhren den Vize-Weltmeistertitel ein.

Siegerehrung IPSC WM 2022 Division Revolver.

Jürgen Stranz ging in der starken Standard-Division an den Start. Für seine Verhältnisse fing er etwas langsam und nervös an – Jürgen ist aber von Haus aus ein sehr schneller Schütze – blieb aber am ersten Tag fehlerfrei, das heißt, es war weder ein Fehlschuss (Miss), noch ein Non Shoot zu verzeichnen. Tag 2 und 3 gingen dann etwas schneller, aber nach eigenen Angaben auch noch etwas holprig und mit jeweils einem Miss. Schließlich beendete Jürgen nach fünf Tagen die Weltmeisterschaft mit einem ausgezeichneten 5. Platz in der Seniorenklasse bei 65 Startern und verfehlte dabei nur um knapp 15 Punkte einen Podestplatz bei einer Gesamtpunkteanzahl von über 2400. Jürgen ist nach wie vor einer der internationalen Top-Schützen im Standard.

Österreichs Revolverteam mit Prack, Reiter und Lang holte Silber.

Zum Abschluss der IPSC-Weltmeisterschaft fand am 3. Dezember auch noch das sogenannte „Shoot Off“ statt. Dabei handelt es sich um ein prestigeträchtiges Ausscheidungsschießen, einen Rahmenbewerb, der immer zum Abschluss der Weltmeisterschaft stattfindet, wo jeweils die besten acht Schützen jeder Division gegeneinander antreten, um die für jeden Schützen aufgerichteten Stahlziele schneller als der Konkurrent umzuschießen. Der Bewerb kann mit einem Parallelslalom im Schisport verglichen werden. Meist beobachten hunderte Zuschauer gespannt die Duelle, wobei der Sieger jeweils in die nächste Runde aufsteigt. Das Finale wird dann in zwei gewonnenen Durchgängen entschieden.

Medaillensatz des IPSC-Weltmeisters Gerald Reiter.

Der frisch gebackene Weltmeister konnte sowohl das Shoot Off in der Revolver-Seniorenklasse als auch in der Revolver-Overallklasse für sich entscheiden und holte sich zusätzlich noch die beiden Titel zum „Shoot off Champion 2022“.

Der Evergreen Günter Weber konnte die Weltmeisterschaft als Sechster in seiner Klasse bei den Open-Schützen beenden und zeigte, dass er auch nach dem Ausscheiden aus dem BMI-Leistungskader das Schießen nicht verlernt hat.

Als Fachreferent möchte ich mich bei allen drei Schützen des Leistungskaders und bei Günter Weber für ihre hervorragenden Platzierungen bedanken. Natürlich strahlen die außergewöhnlichen Erfolge von Gerald Reiter besonders hell, aber auch die Teamleistung des österreichischen Revolverteams war brillant und die Einzelergebnisse von Jürgen Stranz und Johann Lang unter die Top 5 in ihren Klassen sind herausragend. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Schießsport in Österreich ja nur eine Randsportart, daher sind solche Erfolge umso höher einzustufen.

Bedanken möchte ich mich auch für die stetige Unterstützung des Dienstgebers BMI – ohne die großzügige Förderung des Dienstgebers wären solche Erfolge nicht möglich. Als Fachreferent bin ich natürlich mächtig stolz, solche Schützen und Leistungsträger in den eigenen Reihen zu haben.

Text: Paul Pirchner, Fachreferent

Fotos: Gerald Reiter und Jürgen Stranz

 

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