Triathlon

Ironman WM Hawaii

Wieder zurück vom Paradies und im Alltag angekommen, berichte ich über meine erste Teilnahme der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii:

Wechselzone mit den über 2000 Fahrrädern auf engstem Raum

Wechselzone mit den über 2000 Fahrrädern auf engstem Raum

Wie bereits in einem vorherigen Eintrag erwähnt, kam ich gut trainiert und vorbereitet auf Big Island an. Auf der Insel liefen dann die restlichen Tage vorm Wettkampf nicht mehr wie gewünscht. Geplagt von leichter Verkühlung die ersten Tage und dann noch das Unglück mit dem Seeigel waren nicht die besten Voraussetzungen. Um eine Entzündung von den Stacheln des Seeigels zu vermeiden, musste ich zudem Antibiotika einnehmen, was sicher auch alles andere als optimal war. Deswegen hieß es das Beste daraus zu machen und am Morgen des Renntages hatte ich auch gar nicht so ein schlechtes Gefühl.

 

Übersicht mit Wechselzone und Startbereich

Übersicht mit Wechselzone und Startbereich

Die Vorbereitungen am Morgen des 10.10.2015  verliefen planmäßig und ich war kaum nervös. Vor der „Startlinie“ im Wasser herrschte schon derart Gedränge, dass es ziemlich anstrengend war, sich auf engstem Raum über Wasser zu halten. Endlich fiel der Startschuss für die knapp 2.200 AthletInnen (davon 29 aus Österreich) und los ging es auf die 3,8 Km lange Schwimmstrecke. Noch nie zuvor erlebte ich derartige „Schlägereien“ im Wasser. Von Anfang bis zum Ende hatte ich fast ständig Kontakt mit anderen Athleten, welche manchmal ziemlich heftig waren und einem ständig den Rhythmus brachen. Ich hatte mir aber die Kräfte gut eingeteilt und so kam ich mit einer für mich passablen Schwimmzeit aus dem Wasser (angeblich waren es auch 300m mehr). Der Wechsel verlief gut und nun folgten 180 Km am Rad.

 

1162_040625Doch gleich zu Beginn merkte ich, dass es nicht flüssig läuft und hoffte darauf, dass es nach ein paar Kilometern besser wird. Doch ich wartete und wartete und die Kilometer und Stunden vergingen und der gewohnte Druck am Pedal kam nicht. Normalerweise überhole ich nach dem Schwimmen die „Gegner“ zu Hunderten – doch diesmal schien es umgekehrt. Nach einer Weile bekam ich Schmerzen in den Hüften und die Befürchtung trat ein, dass ich den Sattel nach dem Biketransport zu hoch eingestellt hatte. Dieser Umstand rechtfertigt aber nicht meine schwachen Beine am Rad. Auf den ersten 100 Km Richtung Hawi (Wendepunkt) war zumeist Rückenwind. Etwa 10 Km vor Hawi setzte starker Regen und Gegenwind ein; es war einerseits angenehm, doch dann freute ich mich schon wieder auf Sonne und klare Sicht. Die ersten 30 Km nach der Wende gingen noch sehr gut mit Rückenwind, doch dann die letzten 50-60 Km vor Kona war ständig Gegenwind. Es war so hart nachdem ich ohnehin schwache Beine hatte und die endlosen langen Geraden des Highways schienen nicht enden zu wollen. Dazu kamen ständig Anstiege – insgesamt hatte die Radstrecke auch über 1300 Höhenmeter.  Als ich dann endlich die Wechselzone erreichte und vom Rad stieg, schoss mir in diesem Moment ein starker Krampf in den linken Oberschenkel ein, der mich zwang die Wechselzone humpelnd zu passieren. Ich freute mich aber schon aufs Laufen da dass meine eigentliche Stärke ist und ich 2012 in Klagenfurt, als ich noch schlimmer vom Rad gestiegen bin, auch bei 37°C noch einen 3:35 Std Marathon laufen konnte.

 

Den Ali’i Drive die ersten Kilometer entlang

Raus auf die Laufstrecke ging es gleich einmal ziemlich steil die Palaniroad hoch und dann eine Wendepunktstrecke für insgesamt 16 Km den Alli’i Drive entlang. Dass es anfangs beim Laufen nicht immer flüssig läuft weiß ich und spätestens nach ein paar KM rennt sich das normalerweise ein. Ich wollte langsam beginnen – ein Schnitt von 4:45 min/km wäre angepeilt gewesen – das ist langsames Grundlagentempo für mich. Doch ein Blick auf die Uhr und ich war schon bei 5:15 nach den ersten Kilometern und auch die nächsten wurden nicht schneller. Plötzlich schlief mir der linke Fuß ein und war fast taub, so dass ich mich nicht richtig abdrücken konnte. Ich merkte, dass der Schuh zu eng geschnürt war und versuchte es zu lockern – doch es ging nicht mehr und dieser Umstand begleitete mich ca 20 Km, ehe es dann doch besser wurde. Die anderen Teilnehmer überholten mich und ich war richtig verzweifelt – ich konnte gar nicht glauben dass ich soooo langsam zu Laufen imstande war; im Training ist das sogar anstrengender als im „Wohlfühltempo“ zu laufen.

 

Bereits im Zielkanal

Bereits im Zielkanal

Ich wusste ehrlich gesagt nicht wie ich den Marathon überstehen sollte und als tlw Kilometerzeiten von über 6 min angezeigt wurden, dachte ich schon an einen Messfehler der Uhr. So richtig hart wurde es dann am Highway Richtung Energy Lab – weit über 30°C, kein Schatten, hohe Luftfeuchtigkeit, kein Wind von vorne – ständig Durst und die Beine wollte nicht (es war angeblich heuer so heiß wie noch nie zuvor). Konditionell war ich voll da – aber die Beine waren kraftlos. Irgendwann und irgendwie kam ich dann wieder zurück am Highway Richtung Ziel und komischerweise ab KM 35 konnte ich wieder um die 5:20 min/km Laufen. Grundsätzlich auch noch langsam, doch kein Vergleich zum Schneckentempo davor – ich war danach noch bemüht, unter 10:40 Std ins Ziel zu laufen und musste innerlich weinen, dass ich gerade an diesem für mich historischen Tag mein Potenzial nicht auf die Straße brachte.

 

Endlich im Ziel

Endlich im Ziel

Schließlich kam ich in 10:38 Std als 736. Gesamt und 140. in meiner Agegroup und daher weit  unter meinen Erwartungen. Ich konnte das Rennen zu keinem Zeitpunkt genießen und  fühlte auch keine positive Emotionen im Zielkanal und an der Finishline, welche ich mir im Training oft imaginär vorgestellt hatte und mich immer wieder motivierten. Ich stand nur da und fühlte mich leer und fand keine Erklärung. Ich weiß es ehrlich gesagt bis heute nicht. Natürlich bleibt immer noch der Stolz es als einer der wenigen unter den Hunderttausenden, die es jährlich versuchen, hierher geschafft zu haben. Endlich kann ich die oftmals gestellte Frage „Warst schon auf Hawaii“ mit „JA“ beantworten, doch ich wollte hier, ähnlich wie bei der WM in Zell am See, weiter vorne mitmischen – und ich weiß ich könnte es. Jedoch hatte ich das schlechteste Rennen in meiner besten Saison. Nichts desto trotz nehme ich viel Positives mit – ich habe viel gelernt und sollte es mir vergönnt sein hier wieder einmal teilzunehmen, werde ich mich revanchieren und ein besseres Rennen abliefern.

 

DSCF0420Ich danke allen in meinem Umfeld, welche mir das unglaublich tolle Hobby ermöglichen – egal ob das jetzt Familie, Beruf oder Freunde sind – jeder trägt einen Teil dazu bei . Jetzt im Speziellen für die WM danke ich ebenso meinen Unterstützern, die mir die außerordentlichen finanziellen Strapazen dieser Reise etwas gelindert haben. Die Kalkulation vorab sollte man gleich über den Haufen werfen, wenn man die Preise in den Supermärkten oder sonstigen Geschäften erblickt. Und vom Benzin alleine (0,75 EUR / Liter) kann man auch nicht leben. Ich hoffe ich werde eines Tages wieder kommen, um meine Rechnung mit Hawaii zu begleichen und ein versöhnliches Ende zu finden.

Leider liest sich mein Resümee nicht gerade positiv – umso mehr überwiegen aber die Eindrücke und Erlebnisse der Natur auf der Insel und ich hoffe, dass ich meine erworbene Gelassenheit und Entspannung noch ein paar Wochen in der Heimat genießen kann, ehe mich der Alltag und die dazugehörenden Problemchen einholen. Jetzt geht es für ein paar Wochen ein bisschen lockerer ins Training, ehe dann bereits die Vorbereitungen für die Saison 2016 beginnen.

 

Vielen Dank an:

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Der Fachreferent Triathlon:

Reinhard Winter

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