Schi Alpin

Christoph Kornberger in Sochi

 – mittendrin statt nur dabei!

 

Das sonnige Krasnaja Poljana als Ausgangspunkt für Athleten und Funktionäre.

Das sonnige Krasnaja Poljana als Ausgangspunkt für Athleten und Funktionäre.

In der Zeit von 6. – 23. Februar 2014 fanden in der Region Sochi/RUS die Olympische Winterspiele statt. Um für die österreichischen Alpinsportler die optimalen Voraussetzungen zur Erringung von Medaillen zu schaffen, reiste eine kleine Gruppe des Österreichischen Skiverbandes.als Vorausteam zu Materialtests in die Region Krasnaja Poljana. Um verlässiche Testergebnisse zu erzielen, benötigte der ÖSV erfahrene Testpersonen, am besten ehemalige Rennläufer. Und wie schon in den Jahren davor für den Weltcup, nahm man Kontakt zu Leistungsportlern des Polizeikaders auf. Diesmal war der ehemalige Welt- und Europacupläufer Christoph Kornberger unser Vertreter.

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Die Olypiamaskottchen waren beliebte Fotomotive.

Kornberger war bis zur Saison 2007/08 Mitglied der Nationalmannschaft und startete bei 81 Europacuprennen und 1 Weltcupbewerb. Neben vielen Platzierungen im Spitzenfeld konnte er je eine Abfahrt und einen Super-G gewinnen. 2005 erlitt er während der Vorbereitungen für die Weltcupabfahrt in Lake Louise im Training eine schwere Verletzung. Nach langer Wettkampfpause und mühsamer Rückkehr waren 2006 noch zwei Operationen notwendig. Trotz einzelner Siege kam 2008 das Ende seiner Karriere als Profisportler. National setzte er aber seine Rennleidenschaft fort und bis heute ist er einer der Leistungsträger in der Österreichischen Polizeimannschaft alpin. 

In Kenntnis seiner Erfahrung nahm der Leiter der Testgruppe für Sochi und ehemalige Cheftrainer Herren, Toni Giger, mit Kornberger Kontakt auf. Kornbergers bekannt gute Gleiteigenschaften und sein Gefühl für das richtige Material machten ihn zur absolut ersten Wahl für diese Aufgabe.  

Aber woraus bestand nun die Testarbeit wirklich? Was kann man sich darunter vorstellen?  

„Gerade unter derart frühlingshaften Bedingungen ist es von sehr großer Bedeutung, den Serviceleuten Daten zu liefern, damit sie für die Athleten optimales Material präparieren können!“ so die Antwort Kornbergers auf entsprechende Fragen. Die folgende Schilderung seiner Reise nach Russland versucht, etwas vom Aufwand zu vermitteln, der von den Mannschaften betrieben wird, damit AthletInnen mit Medaillen im Gepäck die Heimreise antreten können. 

Es geht los! 

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Am Flughafen in Russland musste das Material in aller Eile zwischengelagert werden.

Nach umfangreichen Vorbereitungen in Österreich, erfolgte am 30. Jänner 2014 der Flug nach Russland mit Gepäck, das einen Container füllte. Vom Flughafen Salzburg bis zur Ankunft in Sochi sollten 10 Stunden vergehen. Neben der reinen Reisezeit mit dem Flugzeug und Auto kam es bei der Verladung und Überprüfung des Gepäcks zu verständlichen Verzögerungen. 

Die Testarbeit beginnt: 

In der ersten Woche bewohnte das 5-köpfige Testteam ein Hotel in Krasnaja Poljana. Die Mannschaft bestand, wie eingangs erwähnt, aus dem Leiter, Toni Giger, dem Sportwissenschafter der Uni Innsbruck, Dr. Werner Nachbauer, dem Verantwortlichen für die Umsetzung der Tests, Walter Gradwohl und den beiden Testfahrern, Reini Hohenwarter und Christoph Kornberger. 

In den Unterkünften waren die meisten Arbeiten beendet. Die Kleinigkeiten wie freie Sicht in die Tiefe der Aufzugschächte (oben), oder hastig eingebaute Fenster ohne fertige Laibungen (unten) störten nicht weiter.

In den Unterkünften waren die meisten Arbeiten beendet. Die Kleinigkeiten wie freie Sicht in die Tiefe der Aufzugschächte (oben), oder hastig eingebaute Fenster ohne fertige Laibungen (unten) störten nicht weiter.

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Während sich Toni Giger hauptsächlich um organisatorische Angelegenheiten und Agenden des ÖOC kümmerte, wurde vom Rest der Crew das mitgebrachte Material im Zielbereich der alpinen Rennstrecken in Servicecontainer verstaut. Von dort begab sich die Mannschaft täglich in das Trainingsgelände, auf dem 6 Testspuren angelegt waren. Auf jeder Spur testete ein anderes internationalesTeam.

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Im Containerdorf nahe dem Zielstadion waren alle Serviceleute angesiedelt.

Das tägliche Programm: 

Jeder Tag war auf die späteren Starts der Rennen abgestimmt. Nachdem die Speedbewerbe voraussichtlich um 11:00 Uhr starteten, erfolgten die Test mit diesen Schiern auch zu dieser Zeit, um entsprechende Wert zu erzielen.

Kornberger bereitet sich mit einem Schiwechsel für die nächste Fahrt vor.

Kornberger bereitet sich mit einem Schiwechsel auf die nächste Fahrt vor.

Die SkiCross Bewerbe waren für 13:00 Uhr geplant, somit auch der Beginn der Tests für das Material von Andreas Matt, Polizeispitzensportlerin Andrea Limbacher und Co.

Ab ca. 15:00 Uhr kam das gesamte Testmaterial wieder in den Servicecontainer, um für den nächsten Tag wieder präpariert zu werden. „Das war auch der Grund, warum wir an der Eröffnungsfeier der Olympiade nicht teilnehmen konnten. Zu diesem Zeitpunkt standen wir im Container und präparierten die Ski für den nächsten Tag“, so Kornberger. 

 

Nach den Testfahrten standen Schipräparation und Wachsen auf dem Programm.

Nach den Testfahrten standen Schipräparation und Wachsen auf dem Programm.

Testarbeit, Teststrecke und Testumfang: 

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Wegen der vielen Schipaare war es eine Herausforderung, die ermittelten Daten richtig zuzuordnen.

Die Strecke bestand aus einer vertikal verlaufenden geraden Gleitspur mit einer Länge von circa 15 Fahrsekunden. Es wurden Geschwindigkeiten von 115 – 120 km/h erreicht. Die beiden Testfahrer legten insgesamt an die 800 Fahrten !! zurück. Zum Start wurden sie wieder mit einem Skidoo gebracht. 

Christoph Kornberger kurz vor dem Testbeginn am Start der Strecke.

Christoph Kornberger kurz vor dem Testbeginn am Start der Strecke.

Sicherheitsvorkehrungen, Transport: 

„Da wir ab der zweiten Woche außerhalb von Krasnaja Poljana untergebracht waren, mussten wir jeden Tag mit dem Auto ca. 20 Minuten in das Schigebiet fahren. Aber die kontollierenden Polizisten kannten uns nach einer gewissen Zeit.“ spielt Kornberger die scharfen Kontrollen bei Olympia herunter.

Tatsächlich wurde jeder Teilnehmer bei Olympia am Flughafen in Sochi einer genauen Kontrolle unterzogen und akkreditiert. Dieser Ausweis diente innerhalb der Sicherheitszonen als Zugangskarte für die einzelnen Bereiche.

Wer mit einem Fahrzeug zu den Veranstaltungsorten fahren wollte und dabei mehr als einen Sicherheitskreis passieren musste, dem wurde das Fahrzeug verplombt. Keiner der Insassen durfte das Fahrzeug bis zum Ankunftsort verlassen. Vor der Abfahrt wurde jede Person einer Kontrolle ähnlich den Checks auf Flughäfen mit Röntgenapparaten, Taschenkontrollen, Visitationen und Metalldetektoren unterzogen.

Sollte doch das Verlassen des Fahrzeuges vor dem Ankunftsort notwendig geworden sein, hatten sich alle Personen am nächsten Checkpoint neuerlich einer gesamten Sicherheitskontrolle zu unterziehen.

Das Testteam hatte durch die geografische Lage des Quartiers keine Probleme. „Glücklicherweise mussten wir nur durch einen Sperrkreis, deshalb war für uns der Sicherheitscheck am Flughafen der einzige.“ 

Rahmenprogramm, Resumee: 

„Wegen des gedrängten Arbeitstages und der ausgedehnten Veranstaltungsort mit den Sicherheitskontrollen hielt sich das Rahmenprogramm in engen Grenzen. Aber auf jeden Fall war Sochi 2014 eine Reise wert. Die Erfolge stellten sich ja ein.“ meinte ein verschmitzt lächelnder Christoph Kornberger. 

Fixpunkt im Rahmenprogramm: Das Beweisfotos zwischen den Olympischen Ringen.

Fixpunkt im Rahmenprogramm: Ein Foto zwischen den Olympischen Ringen.

Der Geist von Olympische Spielen war auch heuer bei den Sportübertragungen deutlich spürbar. Durch die Schilderungen von Christoph Kornberger wird aber auch sichtbar, dass hinter erfolgreichen Sportlern hart arbeitende Teams stehen müssen, um Erfolge möglich zu machen, über die sich ganz Österreich freut. Im BMI gibt es neben der Spitzensportförderung auch noch die Leistungsportebene und gerade an solchen Beispielen wird die Bedeutung derartiger Förderungen für den Österreichischen Sport deutlich sichtbar. 

 

Besonders am Abend hatte das Olypiagelände seinen besonderen Reiz. "Sotchi war ein REise wert!" so Kornberger nach seiner Rückkehr.

Besonders am Abend hatte das Olypiagelände seinen besonderen Reiz. „Sotchi war ein Reise wert!“ so Kornberger nach seiner Rückkehr.

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