Schießen PPS

IPSC-World Shoot 2017

Vom 27. August bis zum 3. Sept. 2017 fand in Chateauroux/Frankreich die 17. IPSC-Weltmeisterschaft statt. IPSC steht für International Practical Shooting Confederation und ist eine relativ junge, dynamische Schießdisziplin, wo Schnelligkeit, Treffsicherheit, aber auch Dynamik und Taktik gefordert sind. Da der IPSC-Schießsport nicht olympisch ist, ist die Weltmeisterschaft die größte Veranstaltung der IPSC. So nahmen über 1500 Schützen/Innen aus 67 Nationen bei der WM teil.

Die Franzosen hatten ein gewaltiges Schießzentrum für diese WM aus dem Boden gestampft; über 28 Millionen Euro hat die Anlage gekostet und die Dimensionen der Anlage waren für die Teilnehmer im ersten Anblick schier unglaublich.

Wie bei allen Großereignissen wurden von der IPSC-Austria strenge Qualifikationskriterien für die Teilnahme erstellt, dh jeder Teilnehmer musste sowohl im In- als auch im Ausland mehrere sog. Level-III-Matches bestreiten und sich bei diesen internationalen Schießveranstaltungen ganz vorne klassifizieren.

So wie auch bei den letzten Großereignissen hatten sich die Kadermitglieder durchwegs für die Teilnahme qualifiziert und 8 Kadermitglieder/Innen wurden dann auch von der IPSC-Austria entsendet.

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Team des BMI-Leistungskaders Schießen PPS

Schon einige Tage vor Beginn der WM brachen Reinhard HANDL, Christa HOCHHOLDINGER, Florian KENDLBACHER, Gottfried POST, Gerald REITER, Jürgen STRANZ, Margit STEURER und Günter WEBER in Richtung Frankreich auf; mit dabei waren auch Walter HOCHHOLDINGER und Johann LANG, 2 Polizeibedienstete, die immer wieder als Ersatzschützen zu den Trainingskursen einberufen werden. Einige Tage vor Beginn anzureisen ist einerseits erforderlich, um die organisatorischen Angelegenheiten wie den Waffen-Check, Akkreditierung etc vorzunehmen und anderseits sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen, insbesondere die eine oder andere Stage beim sog. „Pre-Match“ zu beobachten, um wertvolle Eindrücke bezüglich Ablauf, Möglichkeiten wie das Match zu schießen ist, zu gewinnen.

Am Sonntag, den 27. Aug. 2017 fand dann die Eröffnung statt. Auffallend waren die extremen Sicherheitsvorkehrungen während der gesamten Weltmeisterschaft. Neben baulichen Maßnahmen wie Betonhindernisse, gab es sehr strenge Zutrittskontrollen und während der Veranstaltung patrouillierten durchgehend Polizei, Militär und Gendarmerie in Gruppenstärke durch das Areal.

Am Montag, den 28.8.2017 begann das Main-Match.

In den kommenden Tagen musste jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin an 5 Halbtagen insgesamt 30 Stages absolvieren; die Mindestschussanzahl betrug über 500 Schuss.

Die Franzosen hatten für die WM keine Mühen und Kosten gescheut und auch in puncto Design bei den einzelnen Stages sich sehr viel einfallen lassen; so waren bei den Stage-Design Motive als allen Kontinenten vertreten.

Exportierte Fotos_ Stagedesign Napoleon

Florian KENDLBACHER am Boden liegend bei der Stage „Napoleon“

Durch die riesigen Schießbuchten wurden die Entfernungen oftmals unterschätzt. Die einzelnen Stages waren einer Weltmeisterschaft mehr als würdig und verlangten von den Teilnehmern alles ab. Teilweise mussten Ziele aus einer Entfernung von 30 – 50 Meter beschossen werden, dann mussten zwischen den einzelnen Schießpositionen wieder dutzende Meter gelaufen werden; dieser Wechsel zwischen Targets auf relativ kurze, dann wieder auf fast unendlich weite Entfernung mit langen Laufpassagen dazwischen, machte es ganz schwierig, das richtige Timing, den Rhythmus, zu finden.

Kleine Metallziele in weiter Entfernung, kaum eine Stage, wo es nicht bewegliche Ziele gab und ganz schwierige Schießpositionen taten das Übrige.

So musste etwa 1-händig auf sog. Halbscheiben in etwa 20 Meter Entfernung geschossen werden oder Stages, wo gleichzeitig 3 Ziele in Bewegung waren, noch dazu sehr schnelle Pendel, die nicht an den Endpunkten sichtbar waren.

Die Schießpositionen verlangten manchmal fast akrobatische Bewegungen und extreme Beweglichkeit.

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Vizeweltmeister Reinhard HANDL am Boden liegend

Die Kunst war, ganz sauber und präzise zu schießen, die Zeit etwas zurückzunehmen und wirklich auf saubere Treffer zu achten, vielleicht sogar manchmal noch einen 3. oder sogar 4. Schuss auf eine Scheibe zu setzen, denn aus so großen Entfernungen kann der Schütze nicht mehr erkennen, ob tatsächlich 2 Treffer auf dem Target sind.

2 Schützen des BMI-Leistungskaders ist es offensichtlich ausgezeichnet gelungen, genau das richtige Timing zwischen Schnelligkeit und sauberes, präzises, auf Treffer achtendes Schießen zu finden, nämlich dem regierenden Europameister in der Division Revolver, Gerald REITER und dem Standard-Schützen Reinhard HANDL.

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Vizeweltmeister Reinhard HANDL im Parcour

Gerald REITER war als 2-facher Europameister natürlich in der Revolver-Division im erweiterten Favoritenkreis, aber das macht das Unternehmen Weltmeisterschaft noch schwieriger. Bei so einem Match kann ein schlechter Tag, ein technisches Gebrechen, ein Blackout, über Sieg oder Niederlage entscheiden. Aber Gerald mischte vom ersten Tag an um den Sieg mit und musste sich erst am letzten Tag ganz knapp einem Amerikaner geschlagen geben. Der Wettkampf war hochspannend, die ersten 4 Schützen hatten im Laufe der Woche mehrmals die Plätze gewechselt und der Vizeweltmeistertitel war für den Europameister Gerald REITER ein Riesenerfolg.

Exportierte Fotos_ Gerald REITER - Vizeweltmeister Revolver (2)

Gerald REITER – Vizeweltmeister in der Division Revolver

Im Sog des Vizeweltmeisters konnte das österreichische Revolverteam in der Mannschaftswertung auch noch den 3. Platz erreichen, wobei der Polizeibedienstete Johann LANG, ebenso wie Gerald REITER ein Burgenländer, sehr viel zur Bronzemedaille beitrug.

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3. Platz für das österreichische Revolverteam

Johann LANG wurde in der Einzelwertung ausgezeichneter 12. und damit zweitbester Schütze des 4-köpfigen österreichischen Revolverteams.

Exportierte Fotos_ Gerald REITER und Johann LANG-Vizeweltmeister Mannschaft Revolver

Gerald REITER und Johann LANG

Reinhard HANDL wurde heuer 50 Jahre alt und trat erstmals in der Seniorenklasse an; hatte er im letzten Jahr noch für das erfolgreiche österreichische Revolverteam geschossen, so wechselte er heuer in die umkämpfte Standard-Division. Reinhard HANDL lieferte dann gleich eine Riesenüberraschung. Bei seinem ersten Antreten in der Standard-Division wurde er Vizeweltmeister. Damit hatte nicht einmal Reinhard selbst in seinen kühnsten Träumen gerechnet. Auch er fand ein perfektes Rezept zwischen Schnelligkeit und sauberem, kontrolliertem Schießen.

Durch die hervorragende Leistung Reinhard HANDLs schaffte es auch die Standard-Mannschaft bei den Senioren auf das Podest und holte sich den 2. Platz. Mitglied der erfolgreichen Standard-Mannschaft war auch Gottfried POST, der diesmal nicht an seine großen Erfolge bei den vergangenen Welt- und Europameisterschaften anschließen konnte, aber im Einzel noch den 22. Platz belegen konnte.

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Vizeweltmeister Team Austria in der Division Standard-Senior

Jürgen STRANZ kam in der Standard-Division in der Overall-Wertung auf Platz 41 (bei 356 Startern) und war doch etwas enttäuscht; Jürgen seit Jahren in Europa im Spitzenfeld zu finden, gewinnt jedes Jahr mehrere internationale Wettkämpfe, fand diesmal nicht ganz die richtige Mischung oder wie er selbst sagt, er kam nicht richtig ins Schießen. Wobei die Platzierung in Anbetracht der Teilnehmerzahl noch immer ausgezeichnet war, aber ein Jürgen in Normalform kann sich immer unter die Top 20 des Weltrankings klassifizieren; einige Stages hat er sogar gewonnen, aber bei so einem Wettkampf ist eben auch die Konstanz über 30 Stages enorm wichtig.

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Jürgen STRANZ in Action

Christa HOCHHOLDINGER, im letzten Jahr Vizeeuropameisterin, konnte diesmal leider nicht ums Podest mitkämpfen; auch ihr gelang es nicht, alle Tage auf höchstem Level zu schießen, aber es wurde immer noch der 8. Platz bei 40 Teilnehmerinnen; aber Christa ist noch jung und sie wird uns sicherlich noch viel Freude bereiten.

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Christa HOCHHOLDINGER in der Stage

Auch die anderen Teilnehmerinnen/Teilnehmer des BMI-Leistungskaders schlugen sich ausgezeichnet und waren in ihren Klassen durchwegs weit vorne zu finden.

Margit STEURER wurde bei den Damen in der Open-Division 13., Günter WEBER, ebenso wie Margit ein Urgestein im BMI-Leistungskader, bei den Senioren in der Division Open 11.

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Margit STEURER auf einem Longcourse

Florian KENDLBACHER und Walter HOCHHOLDINGER traten in der heißest umkämpften Klasse, der Division Production, an und platzierten sich bei den Senioren ebenso weit vorne. Florian wurde 25., Walter einige Plätze dahinter.

 

Bei dieser Gelegenheit darf ich kurz auf die Sieger in den einzelnen Divisionen eingehen: Der Franzose Eric GRAUFFEL hat es wieder einmal geschafft; seit 1999 ist GRAUFFEL durchgehend Weltmeister; diesmal erstmals in der Standard-Division, wobei er sich mit dem Amerikanern Robert VOGEL und dem letzten Weltmeister Nils Konrad JOHANSSON bis zuletzt einen dramatischen Kampf liefern musste. Schon zweimal durfte der Leistungskader ja mit dem vielleicht besten Schützen der letzten 20 Jahre Trainingslehrgänge absolvieren.

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Florian KENDLBACHER mit dem vielfachen Weltmeister Eric GRAUFFEL

In der Production-Division hat sich der Amerikaner Ben STÖGER, knapp gegen den Russen TORGANOV und dem Spanier De COBOS durchgesetzt.

Die Open-Division ging an den Spanier Jorge BALLESTEROS und in der Revolver-Division musste sich Gerald REITER nur dem Amerikaner Michael William POGGIE geschlagen geben; Dritter wurde Joshua LENTZ, USA. Unter den 6 besten Revolverschützen waren 4 Amerikaner.

 

Das kleine österreichische Nationalteam war im Medaillenspiegel weit vorne zu finden. Als Fachwart des ÖPolSV für das Großkaliberschießen freut es mich natürlich ganz besonders, dass die Mitglieder des BMI-Leistungskaders am Erfolg des IPSC-Teams AUSTRIA maßgeblichen Anteil hatten. Die 2 Einzelmedaillen für Österreich wurden von 2 Kadermitgliedern, nämlich Gerald REITER und Reinhard HANDL, errungen und bei den 2 Mannschaftsmedaillen im Revolver- und Standardteam standen auch jeweils 2 Kadermitglieder in der österreichischen Mannschaft.

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Die Vizeweltmeister Gerald REITER und Reinhard HANDL

An dieser Stelle möchte ich mich beim Dienstgeber, dem BMI für die hervorragende Unterstützung im Schießsportwesen, sehr herzlich bedanken; ich denke, die Teilnehmer/Innen haben wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sich die Unterstützung und der Aufwand sehr wohl rechnet.

Der Schießsport wird von Jahr zu Jahr aufwändiger, die Trainingsintensität steigt jährlich und Topschützen sind heutzutage schon oft Profis, die vom Schießsport im weitesten Sinn leben. Umso beachtlicher sind die Leistungen der Amateure aus Österreich.

Ich bin mir sicher, die Mitglieder/Innen des BMI-Leistungskaders werden auch in Zukunft im IPSC-Schießsport ganz vorne mitmischen und freue mich jetzt schon auf das nächste Großereignis, die IPSC-Europameisterschaften in Serbien.

 

Der Fachreferent Paul Pirchner

 

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Jürgen STRANZ

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Jürgen STRANZ in der Stage

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Gottfried POST in der Vorbereitung

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Florian KENDLBACHER und Walter HOCHHOLDINGER

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Christa HOCHHOLDINGER in der Stage

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Florian KENDLBACHER mit dem Production-Weltmeister Ben STOEGER