Schießen PPS

IPSC-Weltmeisterschaft in Florida/USA

Erfolgreiche Teilnahme der PPS Kaderschützen

Die 17. IPSC-Weltmeisterschaft fand vom 12. – 19. Oktober 2014 in Frostproof, Polk County, Florida/USA statt. Da das IPSC-Schießen keine olympische Disziplin ist, handelt es sich bei der Weltmeisterschaft um die weltweit größte IPSC-Veranstaltung, quasi die Olympiade der IPSC-Schützen; diese Veranstaltung weist auch den höchsten Schwierigkeitsgrad, nämlich Level V, auf. Fast 1400 Schützen aus über 80 Nationen nahmen die Reise nach Florida in Kauf; alleine diese Zahlen belegen die weltweite Bedeutung des sog. „dynamischen Schießsportes“.

Mag der Schießsport in Österreich eine Randsportart sein, so gibt es Länder in den die Schützen so etwas sind wie bei uns die Schifahrer; daher verwundert es auch nicht, dass Top-Schützen Profis sind, die vom Schießsport leben und wahrscheinlich nicht einmal schlecht. Diese Schützen werden natürlich von Firmen, die im Umfeld der Waffenindustrie angesiedelt sind, gesponsert oder starten in Werkteams von namhaften Waffenherstellern. Über Trainingsbedingungen dieser Profis oder Halbprofis kann man nur träumen, natürlich ist auch der Leistungsdruck dementsprechend.

Umso mehr ist die Leistung der Kaderschützen des BMI zu bewundern, handelt es sich dabei doch um Amateure, die viel Freizeit und Geld investieren, um Topleistungen zu bringen; an dieser Stelle möchte ich mich auch beim Dienstgeber – dem Bundesministerium für Inneres – für die hervorragende Unterstützung bedanken.

Alleine die Tatsache, dass sich alle 10 Schützen/innen und die 2 Trainer für die Weltmeisterschaft 2014 qualifiziert haben und somit als Mitglieder des Teams AUSTRIA – Nationalteam – nach Amerika reisen durften, ist schon herausragend; Qualifikationskriterien sind nämlich Topplatzierungen bei internationalen Wettkämpfen – Level III Matches – und natürlich Topschütze in Österreich, da pro Klasse (Division) nur einige Vertreter aus dem jeweiligen Land an den Start gehen können.

Die erfolgreichen Kaderschützen des BMI von links  Jürgen Stranz, Manfred Winkler, Elisabeth Strasser, Gottfried Post, Margit Steurer, Günter Weber, Christa Hochholdinger, Walter Hochholdinger, Friedrich Ziebart, Reinhard Handl,  Andreas Oriol und Gerald Reiter

Die erfolgreichen Kaderschützen des BMI von links Jürgen Stranz, Manfred Winkler, Elisabeth Strasser, Gottfried Post, Margit Steurer, Günter Weber, Christa Hochholdinger, Walter Hochholdinger, Friedrich Ziebart, Reinhard Handl, Andreas Oriol und Gerald Reiter

Bis auf den Trainer Florian KENDLBACHER nahmen dann auch alle 10 Kaderschützen/innen und der Trainer Manfred WINKLER die Reise nach Florida auf sich; jeder Teilnehmer musste sich selbständig um die Anreise und Unterkunft kümmern, was ja mit Waffen und Munition nicht immer einfach ist. Zwingend erforderlich war aber für jeden ein Mietauto.

 

Die Weltmeisterschaft, organisiert von Frank Garcia,

Zibi mit dem Matchdirektor Frank GARCIA

Zibi mit dem Matchdirektor Frank GARCIA

dem Direktor der Universal Shooting Academy, fand in Frostproof, Polk County, Zentralflorida, etwa 1 Autostunde von Orlando entfernt, statt; jeder Österreicher kann von so einer Ranch nur träumen.

Der Schießplatz, gelegen in einer sehr flachen Seenlandschaft, weist etwa 35 einzelne Schießbuchten auf, die lediglich von etwa 3 Meter hohen Erdwällen als Schutz/Kugelfang umgeben sind; natürlich ist das Gelände rund herum nicht bewohnt. In diesen Schießbuchten waren dann die 30 Parcours – Stages – aufgebaut, die es zu absolvieren galt. Das Stage Design war sehr farbenprächtig und zeigte Motive aus der amerikanischen Geschichte, der Filmindustrie

Gerald REITER in Action beobachtet von einem Saurier

Gerald REITER in Action beobachtet von einem Saurier

und der Technik. Insgesamt waren die Stationen sehr fair für die Teilnehmer gebaut, dh keine allzu großen Entfernungen wie etwa bei der Europameisterschaft in Portugal, wo Plates (kleine Stahlziele) in über 40 Meter Entfernung beschossen werden mussten. Bei der World Shoot XVII betrugen die Entfernungen maximal 25 Meter, großteils waren ganze (und nicht verkleinerte) Targets aufgebaut, wenig sog. „No-Shoot-Scheiben“ (das sind weiße Scheiben, die nicht beschossen werden dürfen) und auch keine zu komplizierten Abläufe; insgesamt hatte der Veranstalter 28 bewegliche Ziele eingebaut. Gerade solche scheinbar einfachen Stages bergen aber dennoch eine Gefahr in sich, da Schützen zu noch schnellerem und zum Teil überhasteten Schießen verleitet werden und daher das saubere Zielen und Abziehen darunter leidet – man schaut nur noch flüchtig übers Korn – was dann oft zu Fehlern („Mikes“) oder schlechten Treffern („Deltas“) bei Targets auf relativ kurzen Distanzen führt (jeder Schütze kann ein Lied davon singen…).

Sehr viel Wert wurde auf Bewegung der Schützen und auf unterschiedliche Schießtechniken und Schießpositionen gelegt; es musste nicht nur viel gerannt, in der Bewegung geschossen, sondern auch aus unterschiedlichsten Positionen (liegend, knieend, hinausgelehnt, auf den Boden geduckt, sehr tiefe Schießpositionen, durch kleine Öffnungen, starke und schwache Hand udgl.) geschossen werden.

Christa beim "Walkthrough" - Besichtigung der Stage - eine unangenehme Schießposition

Christa beim „Walkthrough“ – Besichtigung der Stage – eine unangenehme Schießposition

 

Gerald REITER im Parcour bei einer außergewöhnlichen Schießposition

Gerald REITER im Parcour bei einer außergewöhnlichen Schießposition

Die 30 Stages waren in 5 Areas zu je 6 Stages unterteilt; jeder Schütze hatte innerhalb von 6 Bewerbstagen das gesamte Match zu absolvieren (5 Tage schießen, 1 Tag Pause). Geschossen wurde täglich von 07:30 – 19:00 Uhr; es gab einen Vormittags- (07:30 Uhr) und einen Nachmittagsstart (13:30 Uhr); der Vormittagsstart hatte den Nachteil, dass bereits bei Sonnenaufgang begonnen wurde; da die Stände zum Teil gegen Osten ausgerichtet waren, bereitete dies natürlich den Schützen, insbesondere den europäischen (Sicht)Probleme. Ein Wettkampf bei Sonnenaufgang wäre bei uns wohl undenkbar. Nebenbei waren auch die hohen Temperaturen (über 30 Grad) und die schwüle, feuchte Luft nicht ohne.

Das Rundherum, die Organisation war perfekt; kurze Wege zu den einzelnen Stages in einer Area, weitläufige und feste Überdachungen in den Wartezonen, Getränke an jeder Stage und erfahrene, faire Kampfrichter (Range Officers); der zeitliche Ablauf wurde genauesten eingehalten.

Am Sonntagabend fand dann in der Stadt Lakeland die Siegerehrung statt; in Lakeland hatte am 12. Okt. 2014 auch die Eröffnungsfeier stattgefunden, eine sehr stimmungsvolle und gelungene Eröffnung, bei der die Amerikaner keine Kosten und Mühen scheuten, um sich bestmöglich zu präsentieren.

Gespannt kamen die Teilnehmer zur Siegerehrung; das Team Austria REVOLVER spekulierte mit einer Medaille und tatsächlich wurde es die Silberne für das österreichische Revolverteam,

Siegerehrung Mannschaft der Division Revolver mit Österreich auf Platz 2, Brasilien Platz 3 und USA auf Platz 1

Siegerehrung Mannschaft der Division Revolver mit Österreich auf Platz 2, Brasilien Platz 3 und USA auf Platz 1

geschlagen nur vom Nationalteam der USA. Im 4-köpfigen Revolverteam der Österreichischen Nationalmannschaft waren auch 2 Leistungsträger aus dem BMI-Kader, nämlich der regierende Europameister im Revolver-Schießen, Gerald REITER und Reinhard HANDL;DSC_0998 die anderen 2 Mitglieder der Mannschaft waren Hermann KIRCHWEGER, der bei den Senioren Weltmeister wurde und Robert KROISS.

Die Silbermedaillengewinner des österreichischen Revolverteams: Gerald Reiter, Reinhard Handl, Robert Kroiss und Hermann Kirchweger mit dem Siegerteam der USA

Die Silbermedaillengewinner des österreichischen Revolverteams: Gerald Reiter, Reinhard Handl, Robert Kroiss und Hermann Kirchweger mit dem Siegerteam der USA

Gerald REITER, der von einem Top-Ten-Platz im Einzel träumte, klassifizierte sich im Einzel in der Overall Wertung am 5. Platz, also inmitten der Weltspitze; Reinhard HANDL wurde ausgezeichneter 17.DSC_0187
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Aber auch die anderen Teilnehmer des BMI-Leistungskaders landeten durchwegs im Spitzenfeld.

In der Divison STANDARD belegte Jürgen STRANZ in der Overall-Wertung den hervorragenden 17. Platz (bei insgesamt 374 Teilnehmern in dieser Division); Jürgen ist seit Jahren in der Weltspitze etabliert und bei internationalen Turnieren ein Garant für Spitzenplätze; er war auch der beste Österreicher in der Standard-Division und hat nur um wenige Punkte und nicht einmal 2 Prozent einen Top- Ten- Platz verfehlt; mit dem Team Standard wurde Jürgen 10.

Gottfried POST, bei der letzten Weltmeisterschaft in Belgrad in der Seniorenwertung Gewinner der Bronzemedaille, ist diesmal knapp am Podest vorbeigeschrammt und wurde 5. bei den Senioren in der Division Standard (bei 74 Startern).

Christa HOCHHOLDINGER trat erstmals bei Weltmeisterschaften an; der erste Tage verlief nicht ganz nach Plan, Christa kassierte 2 „Miss“ (fehlender Treffer auf einer Scheibe), noch dazu musste sie mitansehen, wie eine Mannschaftskollegin disqualifiziert wurde;

Christa HOCHHOLDINGER bei der Besichtigung einer Stage

Christa HOCHHOLDINGER bei der Besichtigung einer Stage

in den kommenden 4 Tagen konnte sich Christa kontinuierlich steigern und gewann sogar eine Stage; letztlich kam bei ihrem ersten Antreten bei einer Weltmeisterschaft der hervorragende 7. Platz heraus, noch dazu wo sie mit einer Waffe mit Kaliber 9mm gestartet war und daher nur „Minor“ gewertet wurde, was natürlich zu Nachteilen bei Randtreffern („Charlie- und Delta“) führt. Ihr gehört aber sicherlich die Zukunft.

Elisabeth STRASSER, bei der letzten Weltmeisterschaft in Belgrad noch unter den Top 8 und mit der Mannschaft Vizeweltmeisterin, klebte das Pech etwas an der Waffe; bei den ersten 6 Stages noch fehlerfrei, warf sie am nächsten Tag eine Störung an der Waffe und die Disqualifikation einer Mannschaftskollegin etwas zurück; bei 2 verbleibenden Starterinnen, nämlich Christa und eben Lisi, war die Verteidigung des Vizeweltmeistertitels in der Mannschaft nicht mehr möglich. Am vorletzten Tag haderte sie dann nochmals mit der Waffe, eine Patronenhülse wollte partout die Waffe nicht verlassen…Für Lisi, wie sie selbst sagte, eine durchwachsene Weltmeisterschaft.

Elisabeth Strasser

Elisabeth Strasser

 

In der OPEN Division ging mit Günter WEBER ein Evergreen an den Start; Günter ist seit Jahrzehnten Mitglied des österreichischen Nationalteams und belegte diesmal einen hervorragenden 10. Platz bei den Senioren (bei 90 Startern). Margit STEURER, 3. bei der letzten Europameisterschaft, wurde 17. in der Damenklasse der Open Division.

Eine Klasse, nämlich die Division PRODUCTION hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und daher war es auch kein Wunder, dass in dieser Klasse die meisten Starter, nämlich 392 am Start waren; hier darf nur mit Serienwaffen, die nicht speziell verändert werden dürfen und wo nur das Kaliber 9mm erlaubt ist, geschossen werden.

Das Maß aller Dinge war hier Eric GRAUFEL; der 5-fache Weltmeister in der OPEN Division trat erstmals in der Production Division an und setzte auch hier neue Maßstäbe.

Bester Österreicher in dieser hochwertigen Division war der Kaderschütze Andreas ORIOL als 78. in der Overall-Wertung (bei 392 Teilnehmern); Manfred WINKLER , Trainer beim Leistungskader, kam auf den 140. Platz.

Reinhard HANDL und Manfred WINKLER

Reinhard HANDL und Manfred WINKLER

Bei den Senioren in der PRODUCTION Division wurde Österreich ua von Friedrich „Zibi“ ZIEBART, vertreten; für Zibi – ein Urgestein im IPSC-Schießen und bekannt wie ein „bunter Hund“ – war es die 4. Weltmeisterschaft; bei einer Mindestschussanzahl von 501 Rounds nur 3 Miss und 7 Delta reichten zu einer Topleistung; Zibi, ein BMI-Kadermitglied der ersten Stunde, landete schließlich auf den hervorragenden 8. Platz in der Seniorenwertung (bei 78 Startern).

Zibi in Action

Zibi in Action

Friedrich alias "Zibi" in Action

Friedrich alias „Zibi“ in Action

Auch Walter HOCHHOLDINGER, der im „erweiterten“ Kader des BMI steht – als Ersatz bei Verhinderung eines Kaderschützen – landete im vorderen Feld, nämlich am 24. Platz (bei 78 Teilnehmern).

Christa mit ihrem Vater Walter Hochholdinger

Christa mit ihrem Vater Walter Hochholdinger

Erfreulich ist auch, dass keiner der Schützen des Leistungskaders disqualifiziert wurde; insgesamt mussten nämlich 67 Sportschützen, meist wegen eines Sicherheitsverstoßes, die Weltmeisterschaft vorzeitig beenden.

 

Zibi mit der Legende Robert LEATHAM - Robert gewann die Division "Classic"

Zibi mit der Legende Robert LEATHAM – Robert gewann die Division „Classic“

Als Fachreferent für Großkaliber und PPS möchte ich allen Teilnehmern/innen des BMI-Leistungskaders bei der „World Shoot XVII“ in Florida meinen Dank und meine Gratulationen aussprechen; sich bei der „Olympiade“ des IPSC-Sports durchwegs im Spitzenfeld zu klassifizieren zollt mir Respekt ab und wirft auch ein äußerst positives Bild auf den Sport im BMI und den gesamten Polizeikorps. Ich möchte mich aber auch nochmals für die Unterstützung durch den Dienstgeber bedanken und hoffe auch in Zukunft auf tatkräftige Unterstützung durch das BMI, sodass die Teilnehmer des BMI-Leistungskaders mit breiter Brust zu den nächsten IPSC-Großereignissen – die Europameisterschaft in Ungarn und die Weltmeisterschaft in Frankreich – fahren können.

 

Reinhard HANDL und Gerald REITER, die Silbermedaillengewinner mit dem Trainer Manfred WINKLER nach getaner Arbeit

Reinhard HANDL und Gerald REITER, die Silbermedaillengewinner mit dem Trainer Manfred WINKLER nach getaner Arbeit

Paul Pirchner, Fachreferent